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Sonstige Festivals: Bäääm Festival 2015

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Veröffentlicht am Donnerstag 07 Januar 2016 19:12:28 von madrebel
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Wir waren zu Gast auf dem Bäääm-Festival auf Gut Haarbecke Wermelskirchen. Wer ein Heavy Metal-Festival am heiligen Wacken-Wochenende veranstaltet, ist entweder lebensmüde oder Überzeugungstäter. Letzteres trifft wohl auf die Veranstalter des »Bäääm-Festivals« zu. Denn im Vergleich zum norddeutschen Ballermann-Metal-Event ist das Open Air auf Gut Haarbecke in Kierspe ein tatsächliches Idyll. Aber natürlich ein lautes. Bereits nach der Ankunft auf dem mitten im Wald gelegenen und von sanften Hügeln und Weiden umschmeichelten Gut wird man positiv überrascht. Die gesamte Zufahrt wird als Campground ausgegeben. Zelten neben dem eigenen PKW? Na klar. Statt der ekligen Plastik-Mobiltoiletten warten drei sehr komfortable sanitäre Mehrfach-Einheiten, die regelmäßig gereinigt werden und auch der Damenwelt bei Betreten der Anlagen sofort die schmerzhafte Angst aus den bangen Blicken zaubern. Da auch die Preise für Getränke und Speisen nicht so üppig sind wie auf vergleichbaren Veranstaltungen und man bei der Auswahl der Devotionalien-Händler eher auf kleine, aber feine Fachbetriebe setzt, steht einem Festival-Highlight bei herrlichen Temperaturen nichts mehr im Wege.   Musikalisch eröffnen Masters Of Disguise den Reigen. Die Nachfolgeband der US Metal-Legende Savage Grace ist professionell genug, um den Opening-Slot in einen Siegeszug zu verwandeln und baut dabei auf ein dankbares Publikum, das nach den speedlastigen Hymnen der Jungs um Fronter Alexx Stahl lechzt. Und das so sehr, dass man die agile Truppe nach dem Ende ihres Sets wieder zurück auf die Bühne ruft. Das Problem: Die Masters haben nur die bereits dargebrachten Nummern eingeprobt. »Egal, spielen wir halt ‚Into The Fire‘ noch mal«. Funktioniert perfekt. Daumen hoch!   Als nächstes wären die Thrasher von Contradiction an der Reihe gewesen, doch aufgrund einer Erkrankung eines Musikers entern die Burscheider LokalmatadoreTri State Corner bereits als zweite Band die Bühne, nachdem ein wenig Zeit mit Musik aus der Konserve überbrückt worden ist. Wer die Bouzouki-Rocker bereits livehaftig erleben durfte, weiß, dass die sehr emotionalen Songs zwar nicht wirklich Metal sind, aber die bei den Shows entstehende Dynamik und musikalische Intensität so ziemlich jedes Publikum nach kurzer Zeit für sich einzunehmen vermag. Mit Hits wie »Home« oder »Sooner Or Later« im Gepäck sowie Sänger Luckys lustig-trockenen Animationsspielchen ist der Gig auf dem Bäääm eine gelungene Vorstellung des griechisch-polnisch-deutschen Dreiländerecks. Hut ab vor Drummer Chris Efthimiadis, der später am Abend noch zwei Stunden mit Headliner Refuge auf die Bretter muss, bevor man am nächsten Tag 500 Kilometer zum Rock Of Ages Festival im Schwabenland zurücklegen darf, wo die nächste Show ansteht.   Die vielen Macbeth-Fans im Publikum deuten es an: Der Auftritt der Metal-Institution aus dem Osten der Republik wird zu einem Triumphzug. Bei glasklarem Sound schmettern Shouter Olli und seine Mannen Schlachthymnen wie »Kamikaze« oder »Stalingrad« ins gierige Publikum. Die Kriegsthematik der meisten Songs, dargeboten in deutscher Sprache, mag vielerorts polarisieren. Wer die Jungs erlebt, weiß aber, dass hier ebenso wenige Verherrlichungstendenzen wie bei Sabaton im Spiel sind und die Materie aufgrund des im Vergleich zu den Schweden weitaus aggressiveren Sounds auch mit der nötigen kritischen Ernsthaftigkeit bearbeitet wird. Guter Auftritt.   Den hat auch die Ruhrpott-Thrash-Legende Darkness, obwohl man hier und da merkt, dass die Routine noch nicht hundertprozentig wieder da ist. Das machen die Jungs mit echter Spielfreude und Begeisterung wieder wett. Unsterbliche Klassiker wie »Death Squad« oder »They Need A War« stehen dabei gleichberechtigt neben einer Nummer wie »Hate Is My Engine« von der neuen EP »XXIX«. Manchmal bewirkt das Adrenalin, dass die Nummern ein wenig zu fix angestimmt werden, aber darüber beschwert sich am Ende keiner. Fazit: Den Jungs nimmt man ab, dass sie jederzeit auf einer Bühne wie der des Bäääm einziehen würden. Bleibt zu hoffen, dass es jetzt wieder stetig weitergeht mit der einstmaligen Institution.   Der Bierbecherhalter am Mikro deutet es an: DieNitrogods stehen auf dem Programm. Und wer Oimel, Henny und Klaus nicht von der ersten Sekunde an aus der Hand frisst, der liegt schon in seinem Zelt. Klar, machmal dürften es vielleicht etwas weniger Motörhead-Verweise sein, aber was soll’s. Dank solcher Nummern wie »Irish Honey«, »Whiskey Wonderland« oder »Rats & Rumours« wissen alle Bääämer, dass dieses Festival auch verdammt tanzbar sein kann. Ein wenig Nostalgie schadet nie. Darum lässt Gitarrero Henny die Gemeinde auch noch in den Genuss des Klassikers »Take It To The Highway« seiner ehemaligen Stammband Thunderhead kommen.   Refuge starten ihr zweistündiges Headliner-Set dann zunächst gar nicht bzw. mit technischen Problemen, die Gitarrist Manni allerdings als Teil des Spannungsbogens verspottet. Dann geht’s los und die Hütte brennt noch mal, denn Klassiker wie »Death In The Afternoon« oder „Lost In The Ice" bekommt man erstens nicht dauernd und zweitens nicht so authentisch zu Gehör. Dass Frontbarde Peavy das Trio als »Originalbesetzung von Rage« ankündigt, ist bezeichnend für die Stimmung, die zurzeit in dieser Band herrscht, denn in Wahrheit stiegen Efti und Manni erst vor dem vierten Album »Perfect Man« ein. Aber sei’s drum. Der Auftritt stimmt, Sound und Performance geben dem Publikum Extra-Kicks und nach dem Gig wird auf der Aftershow-Party zum Sound diverser Klassiker ordentlich weitergefeiert.   Der nächste Tag wird bereits um 11 Uhr mit dem Auftritt von Desperation eingeläutet. Leider kämpfen wir zu diesem Zeitpunkt mit einigen unsäglichen Staus, die uns auch die folgenden Bands Salem, Asgard undLonewolf verpassen lassen sollen. Erst zu den letzten Tönen von Wizard, die heftig abgefeiert werden, gelangen wir auf das Gelände. Schade.   Mit Jutta Weinhold betritt die Nina Hagen des Heavy Metal die Bühne und hat das Geschehen mit ihrer vor allem aus Zed Yago-Klassikern bestehenden Setlist nach kurzer Zeit im Griff. Spätestens, als sie zum »Black Bone Song« jede Menge Publikum auf die Bühne holt, um den 89‘er Hit mit Chor zu zelebrieren, hat die Grande Dame, die immer noch unglaublich gut bei Stimme ist und wie eine 20-jährige über die Bühne fegt, bei den Anwesenden gewonnen.   Freddy und die neuen Mitglieder der süddeutschen Thrash-Urgesteine von Necronomicon zeigen danach, dass ihnen die vielen Rückschläge in ihrer bisherigen Karriere nicht das Genick gebrochen haben. Nicht mehr ganz so brachial wie in den 80‘ern, dafür aber ungleich tighter und stellenweise richtig rockig ballern die Jungs ihre Perlen ins dankbare Publikum. Dass dabei vor allem Songs neueren Datums den Weg auf die Setlist gefunden haben, mag man ihnen verzeihen. Das Spektakel, das ein Klassiker wie »Magic Forest« im Publikum auslöst, dürfte den Herren dann aber Hinweis genug sein, dass man beim nächsten Mal gerne einige Meilensteine mehr auspacken darf. Zumindest die »Dark Land«-Saga gehört komplett ins Programm. Egal, Urgestein Freddy grinst während des Auftritts permanent von einem Ohr zum anderen und genießt den Auftritt sichtlich. Recht hat er, denn diese ewig unterschätzte Truppe scheint endlich ein stabiles Line-Up gefunden zu haben, das auch musikalisch voll auf der Höhe ist. Da geht in Zukunft noch einiges.   Wer Comedy im Heavy Metal prinzipiell nicht ertragen kann, für den ist der Grailknights-Auftritt die Hölle auf Erden. Denn die in bunte Superhelden-Anzüge gepressten Musiker spielen den Soundtrack zu ihrem eigenen Comic, den sie gleich auch noch auf der Bühne mit Plastikschwertern und einem furchtbar unböse aussehenden Bösewicht »Dr. Skull« umsetzen. Letzterer hat den heiligen Gral an sich gebracht, an dem er aber logischerweise nicht viel Freude hat, denn die Übermacht unserer Helden sorgt dafür, dass er das Trinkgefäß am Ende wieder den rechtmäßigen Hütern des Heiligtums zurückgeben muss. Das Publikum fungiert als »Battlechoir«, muss zwischendurch »Grailrobic«-Übungen machen und feiert die Helden ohne Pause ab. Dazu gibt’s eine Mischung aus Power Metal mit vereinzelten Extrem-Metal-Versatzstücken. Aber die Musik ist hier eh allenfalls Beiwerk. Muss man mal gesehen haben.   Bei Mystic Prophecy regiert dann wieder das Brett. Shouter R.D. Liapakis ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie man die noch im Grainknights-Fieber befindliche Menge wieder auf den Boden der Heavy Metal-Tatsachen holt. Am besten mit Krachern wie »We Kill, You Die«, die jeder sofort mitbrüllen kann, auch wenn er noch nie etwas von der Band gehört hat. Der Bass kommt heute offenbar aus der Konserve, denn Viersaiter Connie musste krankheitsbedingt daheim bleiben. Ein wirklicher Soundverlust ist aber nicht auszumachen. Vor allem das Stageacting des Gitarristendoppels lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass hier die gesamte Bühne benötigt wird. Zudem bleiben komplexere bzw. schwerer zugängliche Epen früherer Tage zugunsten neuerer Gassenhauer im Schrank. Statt »Burning Bridges« herrscht der »Ravenlord«, kreist der „Killhammer" oder reist man »To Hell And Back«. Eine heftige Version von »Paranoid« passt zu Liapakis‘ früherer Auskunft, dass Ex-Klampfer Gus G. mittlerweile bei Ozzy Osbourne in die Saiten greift. Die Menge rastet aus, der Gig ist ein Siegeszug.   Debauchery haben es danach zunächst nicht leicht. Das in Extremmetal-Kreisen nicht immer unkritisch gesehene Quartett um Mastermind und Alleinherrscher Thomas Gurrath muss kämpfen, um den Stimmungspegel zu halten. Nach Tri State Corner sind sie die anderen musikalischen Abweichler auf dem Bäääm-Programm – nur in eine ganz andere Richtung. Das Publikum muss sich in den groovenden Death Metal zunächst einhören. Wer mit dem Songmaterial nicht vertraut ist, moniert Eintönigkeit und konzentriert sich auf die gewohnt bluttriefende Show: Nackte, blutbesudelte Schaufensterpuppen, aus deren Hälsen Mikrofone ragen, oder die mit Gasmasken geschmückt wurden, zeigen, wohin die Reise lyrisch geht und sind ebenfalls nicht jedermanns Sache. Tierschützer Gurrath nimmt‘s gelassen, verkündet nicht ohne Stolz und Dankbarkeit, dass sein aktuelles Album »Fuck Humanity« auf Platz 48 der deutschen Charts eingeschlagen ist und lässt ansonsten die Musik sprechen. Vereinzelt streut er Songs seines Rock-Projekts Bloodgod ein, konzentriert sich aber ansonsten auf Debauchery-Songs der letzten Alben. Und nach ca. 25 Minuten haben er und seine blutgetränkten Mannen die Meute im Griff. Spätestens beim Urhit »Blood For The Bloodgod« rastet das Kollektiv aus und auch ansonsten anständig gebliebene Hardrock-Anhänger schmettern den Refrain mit. Debauchery bedanken sich mit einer ziemlich perfekten Version von »Painkiller« und dürfen danach sogar noch das eigene »Kings Of Carnage« nachliefern, bevor sie sich glücklich verabschieden.   Nach dem kleinen bisschen Horrorshow folgt die maximal abgespeckte Variante des Rock N‘ Roll-Zirkus‘.Death Dealer, die All Star Band um Ex Manowar Gitarrero Ross The Boss, Bassist Mike Davis (Halford, früher u.a. Ozzy Osbourne, Lizzy Borden), Gitarrist Stu Marshall (Paindivision), Drummer Steve Bolognese (Ex-Into Eternity) und Sänger Sean Peck (Cage) wirkt allein durch die schiere Präsenz der Musiker, die zusammen gut und gerne als Heavy Metal Museum durchgehen, erfurchtgebietend. Dazu kommen die schmissig-harten Power Metal Hymnen ihres 2013-er Albums „War Master" und natürlich die unvermeidliche Manowar-Perle »Hail And Kill« zum umjubelten Abschluss. Bühnenbild? Backdrop? Braucht eine solche Band nicht. Würdig!   Fazit: Ein kleines, aber dennoch tolles Festival in unserer Region, das von Menschen organisiert wird, die das Publikum ernst nehmen und tatsächlich möchten, dass es ihm gut geht. Das sieht man nicht nur am Service, der Security und den Preisen, sondern auch an der Tatsache, dass man nicht lauter Amateurbands und einen Headliner verpflichtet, sondern richtig tief in die Tasche gegriffen hat, um durch die Bank interessante Acts zu besorgen, die das Bäääm zu einer echten Alternative zum norddeutschen Weidenrummel werden lassen. Im kommenden Jahr findet das Bäääm-Festival übrigens am 5. und 6. August statt. Erste bestätigte Band ist Air Raid. Und wir sind mit Sicherheit wieder dabei. Mehr als 80 Bilder vom Festival unter:https://www.facebook.com/WopoBurscheid

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