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CD Review: EISBRECHER - Eisbrecher

Veröffentlicht am Montag 26 Januar 2004 17:45:06 von Zombie_Gecko
Die Ex-Megaherz-Member Alex Wesselsky und Noel Pix sind mit ihrem Debütalbum am Start, welches nach eigener Aussage „Vielleicht nicht das beste Album der Welt, aber mindestens genauso gut!“ ist – verdammt große Schuhe, die man sich da anzieht...






01. Polarstern
02. Herz steh still
03. Willkommen im Nichts
04. Schwarze Witwe
05. Ruhe (Instr.)
06. Angst
07. Fanatica
08. Taub-Stumm-Blind
09. Dornentanz
10. Hoffnung (Instr.)
11. Eisbrecher
12. Frage
13. Zeichen der Venus
14. Mein Blut
15. Sakrileg 11
16. Fanatica-Club-Mix

(63:31 min)


2004 ZYX Music (www.zyx.de)



Alex „LeCap“ Wesselsky - Text / Gesang
Noel Pix - Komposition / Keyboards, Gitarre, Programmierung

www.eis-brecher.com



Eisbrecher (2004)



Die Namen Alex Wesselsky und Noel Pix dürften eingefleischten Vollblut-Metallern nicht viel sagen, etwas offenere Zeitgenossen sind die beiden wahrscheinlich aus der gemeinsamen Zeit (1998 – 2000) bei Megaherz kennen. Nach zwei Jahren Pause hat man sich zum Projekt Eisbrecher zusammengefunden, welches nun sein selbstbetiteltes Debüt vorlegt. Und eingefleischte Metaller brauchen sich weder die beiden Namen merken noch weiterlesen – denen dürfte es nämlich bei der Musik von Eisbrecher sämtliche Nackenhaare aufstellen wenn nicht schlimmeres. Eisbrecher nennen ihre Musik Trip-Rock, und wer die Instrumentierung gelesen hat, dem dürfte klar sein, daß „Rock“ hier nur eine Nebenrolle in Form von einigen harten Gitarren spielt. Musikalisch vorherrschend sind hier Keyboard, Computer und die Brüder von Angelo Sasso, neben dem alles dominierenden Gesang von Alex Wesselsky. Statt Trip-Rock könnte man „Eisbrecher“ auch der Einfachheit halber als Mischung aus EBM und Dark Wave bezeichnen, womit die Zielgruppe etwas klarer definiert sein dürfte. Die erwartet laut Info-Zettel ein Album welches „nicht die beste Platte der Welt, aber mindestens genauso gut!“ ist. Allerdings fallen selbst mir als Nicht-Genre-Insider mitreissendere Platten ein (wenn auch nicht namentlich, so scharf bin ich auf Computermusik auch nicht...), aber da die Kollegin sich „Eisbrecher“ nicht vorknöpfen wollte, musste ich mich mittels unzähliger Durchläufe in dieses Scheibchen reinhören, was mir offen gesagt nicht leicht fiel! Musikalisch geht das selbstbetitelte Debüt durchaus in Ordnung, finden sich doch genügend zappelbuden-taugliche Songs wie „Schwarze Witwe“, „Willkommen im Nichts“, „Angst“, „Fanatica“, „Taub-Stumm-Blind“ oder „Eisbrecher“ mit hohem Wiedererkennungswert, die in den Düsterschuppen der Republik gut ankommen dürften. Der „Gesang“ – bzw. Sprechgesang – von Alex Wesselsky schafft es ebenfalls von aggressiv bis hypnotisch Stimmung zu verbreiten, wobei gerade bei den rockigen / aggressiven Parts unwillkürlich Vergleiche zu Rammstein`s Till aufkommen, was zwar nichts neues ist, aber durchaus Charme hat .
So weit so gut. Das dumme an deutschsprachigen Texten, die auch noch zum großen Teil als Sprechgesang vorgetragen werden, ist, das man alles versteht. Und da nutzen „Eisbrecher“ auch weit über 20 Durchläufe nicht viel. Manche Songs wie „Angst“ kommen damit gut klar bzw. werden dadurch erst richtig beklemmend – andere erleiden dadurch allerdings eine derbe Bruchlandung und entwickeln ein recht hohes Nerv-Potential! Im Opener „Polarstern“ werden die Ausmasse eines Schiffes vorgelesen – da kann man sich kaum entscheiden was langweiliger ist, die stumpfe Musikuntermalung oder wie hoch, breit etc. dieses blöde Schiff ist! „Herz steh still“ ist wohl die Abrechnung einer unglücklichen Beziehung, geht gerade noch so durch, wenngleich manche Passagen nach dem Motto zusammengewürfelt wirken „was reimt sich auf XY?“. „Willkommen im Nichts“ klingt irgendwie (textlich) nach Falco, erreicht aber nie dessen beißenden Spott, während das nachfolgende „Schwarze Witwe“ etwas an „Bitte, bitte lass mich dein Sklave sein“ von den Ärzten erinnert, leider aber nicht sonderlich lustig ist, geht aber ebenfalls noch als ok durch – da lebt wohl jemand seine Obsessionen aus... Das bereits erwähnte „Angst“ erinnert musikalisch und textlich wie erwähnt an Rammstein und ist mein persönlicher Fave auf „Eisbrecher“. Dagegen fliegt „Fanatica“ leider voll auf die Fresse, und lässt den geneigten Zuhörer grübeln, ob er wegen diesem selten dämlichen Text weinen oder lachen soll. Ähnlich ratlos was den Inhalt betrifft lässt einen „Taub-Stumm-Blind“ zurück, ist aber zum Glück nicht ganz so Panne wie der Vorgänger. Genauso ergeht es „Dornentanz“, welches textlich genauso wie musikalisch in die Kategorie „Totalausfall“ verbucht werden kann. „Eisbrecher“ ist dann abstrakt genug, um unter dem Begriff „Kunst“ eine gewisse Narrenfreiheit zu geniessen – das macht den Text nicht weniger anstrengend, geht aber in Ordnung. Alle mit Liebeskummer werden „Frage“ wohl ganz einfühlsam etc blabla finden (auch musikalisch), mich persönlich lässt derlei Betroffenheitslyrik allerdings vollkommen kalt – ebenso wie der Song eher Lückenfüller, worunter man auch das langweilige „Zeichen der Venus“ mit ähnlich thematischem Inhalt verbuchen kann. Dagegen kann das mit gregoriansichen Chören und Gebetstexten versehene „Mein Blut“ wieder punkten – kommt recht eigenwillig, aber mit Stil daher und man wünscht sich, davon hätten Eisbrecher mehr Songs auf das Album gepackt! „Sakrileg 11“ erschließt sich mir zwar nicht inhaltlich, gefällt aber zumindest mit seiner kalten Atmosphäre, bevor der unnötige Club-Mix von „Fanatica“ ein Album abschließt, das den selbstgewählten Ansprüchen in meinen Augen nicht gerecht wird!
Wer auf elektronische Musik abfährt, mag daran vielleicht Gefallen finden – Metaller sollten besser die Finger davon lassen!

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