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Interview: Interview mit EISBRECHER (01/2004)

Veröffentlicht am Montag 26 Januar 2004 17:48:14 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifAlex Wesselsky klingelte zum Gespräch über das Debütalbum von Eisbrecher an und entpuppte sich witziger, intelligenter und redseliger Gesprächspartner, der mit Kritik souverän klar kommt... Vielleicht nicht das längste Interview der Welt, aber auch nicht viel kürzer!




Kaum ein Album der letzten Zeit hat mich so viel Überwindung und Nerven gekostet wie das Debütalbum des Projektes der Ex-Megaherzen Alex und Noel Pix – dementsprechend „motiviert“ war ich für dieses Interview, das sich aber als äußerst angenehm entpuppte und zum beinahe eineinhalbstündigen Plausch wurde. Sorry an dieser Stelle an den nächsten auf der Inerviewliste von Alexx, dessen Termin wir um circa 40 Minuten nach hinten verschoben – unabsichtlich!
Als erstes galt es einmal Mißverständnisse auszuräumen:“Du bist von Heavy Metal.de?“ – „Planetheavymetal.de“ – „Oh das fängt ja gut an...“; zwei Minuten später:“Wo wohnst Du (Alex) eigentlich?“ – „München.“ – „Ah ja...Du klingst ein bisschen nach Österreicher!“ – „Na danke! HAHAHA! Das liegt wahrscheinlich an Falco, meinem großen Vorbild!“.
Dann verquatschten wir uns erst mal, nachdem Alex Pluspunkte gesammelt hatte, als er sich als Löwen-Fan outete und über die letzten Leistungen unseres Lieblingsvereins genauso wenig amused war wie ich („...kann man noch guten Gewissens 60er-Fan sein?“). Über den Job kamen wir dann auch zur ersten Frage, als Alex erwähnte, daß die Frau des Megaherz-Gitarristen Chefärztin in der Münchner Psychiatrie ist und er dort wohl schlechte Karten hätte...


ZOMBIE: Steigen wir doch da gleich mal ein – wie ist es zu Eisbrecher gekommen und warum sind Du und Megaherz im Streit auseinander gegangen?

ALEX: Du gründest eine Band in der Ursprungsbesetzung, das fing bei Megaherz 1993 an, und im Jahr 95/96 war schon nur noch ich übrig. Die anderen Jungs sind halt dann dazu gekommen weil – kennst das, der eine wollte Journalist werden, der nächste eine Bankkarriere machen, der übernächste hat geheiratet...usw...“das wird ja eh nix blabla...“. Und ich hatte nix zu verlieren, hast nix auf der Pfanne, hast keine Kohle – also können wir auch Rockstar werden! Langer Rede kurzer Sinn, dann ging der Weg weiter, 1997 erste Veröffentlichung, alles ganz dufte, stellst Dir alles so und so vor, jetzt bist Du wer, dann lernst Du im Laufe der Jahre das Business kennen wie das alles so funktioniert, dann stösst Du Dir die Hörnchen ein bisschen ab und lernst das Du Dich nicht nur hinstellen brauchst und das Maul aufreißen und sagen „Hey, Ich bin da, jetzt macht mal was für mich, macht mich berühmt und superreich!“. Man will ja immer sein wie Marylin Manson, warum klappt`s da und bei mir dauert das so lang, versteh ich gar nicht, ich bin auch geil – naja, und warum es am Schluß bei Megaherz nicht mehr geklappt hat, liegt nicht an der Musik oder an musikalischen Differenzen, weil es immer heißt „man hat sich musikalisch anders entwickelt“. Meine Güte, warum soll man die schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen, das ist auch absurd, aber es hat einfach nicht mehr gepasst – gar nicht! Auf der letzten Tour 2002 mit Megaherz – wenn Du es schaffst drei Wochen mit deinen Bandmitgliedern maximal „Servus“ und „Auf Wiedersehen“ zu sagen, und im Nightliner nebeneinander hockst und eigentlich gar nichts zu sagen hast, weil du dir dermaßen auf den Sack gehst, dann weißt du, das die Zeit nahe ist. Irgendeiner muss jetzt gehen, und lustigerweise haben die Leute, die später gekommen sind, ein massiveres Sitzfleisch entwickelt als ich selber – mir wäre es zwar recht gewesen, die anderen wären gegangen, dann hätte ich den Namen behalten können und selber noch mal was auf die Füße stellen können, in meinem Sinne, irgendwie denkt man ja doch „es ist deine Band“. Ich hab so viele Leute rausgeekelt – am Schluß hab ich mich selbst rausgeekelt offensichtlich oder wurde rausgeekelt! Es hat einfach nicht mehr gepasst, wir haben uns einfach nicht mehr verstanden.
Das ist wie wenn Du in die Arbeit gehst, denkst „meine Patienten sind alle Wichser, meine Arbeitskollegen dummerweise auch“ – dann wird es Zeit, Dir was neues zu suchen. Entweder gehen alle anderen, die die Dir stinken – oder Du selbst! Und in den sauren Apfel hab halt ich gebissen. Und das war scheiße, weil du weißt, jetzt habe ich den Status erreicht, wo man doch in der einen oder anderen Stadt mal die Halle ausverkauft – geil, hat ja auch lang genug gedauert. Und viele haben mich für komplett verblödet erklärt und gesagt „Du steigst jetzt aus, wo es bei euch allmählich anläuft“. Aber wenn ich mir die Vergangenheit anschaue, dann ist es für Aussenstehende immer so „jetzt hast Du es geschafft“! „Wann hast Du es geschafft? Was geschafft?“ – die Frage kannst du nur selber beantworten! Und so toll hatten wir es auch nicht geschafft, daß ich bereit gewesen wäre jeden Tag zu sagen „naja, hallo Leute, wir haben uns alle lieb, ich lüg euch allen die Taschen voll, wir sind `ne geile Liveband“ – und danach könnte ich jeden, der mit mir auf der Bühne steht in die Schnauze hauen! Der denkt plus, der andere minus, der eine wählt grün, der andere schwarz oder braun – da hat nichts mehr gepasst!
Es war Zeit den Hut zu nehmen, und zum Glück kam relativ schnell der Kontakt zu Noel Pix, der ja 2000 ausgestiegen war, da gleich voll reingespreizt, und ja – das war gut so! Denn sonst hätte mich glaub ich der Frust aufgefressen denn ich bin ein Bühnenmensch. Proben ist recht, im Studio stehen, Platte aufnehmen ist auch recht, aber das mache ich nur um auf die Bühne zu kommen. Das war schon immer der Antrieb! „Ich will mal in meiner Stadt auf der Bühne stehen, wo jetzt der Lokalmatador spielt, da will ich hin!“. Und wenn Du da stehst, dann willst Du nach Köln, und wenn Du da spielst nach Berlin – das hört nie auf! Und Gott sei dank kam Eisbrecher!
Ist zwar stilistisch was anderes, nicht ganz eine andere Baustelle, aber doch eine andere Baustelle, und hat mich auch vor dem Superfrust bewahrt. Wenn du drüber nachdenkst „eigentlich hast du 10 Jahre in den Sand gesetzt“, nicht vom Wissen, denn man lernt ja dazu, aber es ist eigentlich absurd! Du hast einen Namen etabliert, mit dem Du Platten verkaufst, und jetzt sind wir wieder Debüt, jetzt sind wir wieder Newcomer! Ich bin 35 Jahre alt, ich hab nicht noch mal 10 Jahre Zeit...du hast die Power, du hast den Willen, aber du bist nicht mehr so heiß, du kennst das Geschäft inzwischen, du gehst ein bisschen cooler ran, ein bisschen abgeklärter... Aber ich bin ganz guter Dinge. Und vor allen Dingen: man will`s noch mal wissen, jetzt noch mal – schau mer mal!


ZOMBIE: Du hast vorher gesagt Du hast bei Megaherz alle rausgeekelt und bist dann selber rausgeekelt worden – wie war das bei Noel? Warum ist er damals gegangen (worden)?


ALEX: Das war eine vergleichbare Nummer, der war auch wahnsinnig unzufrieden. Ihm war das immer zu statisch. Im Lager von Megaherz gab es zwei Fraktionen: die eine war die „vorwärts, vorwärts, vorwärts, neue Platte, schnell rauf auf die Bühne und spielen“ – und es gab die andere:“Ich brauch mal eine kreative Pause, muß mal nachdenken, mich künstlerisch verwirklichen, mir fällt gerade nichts ein..“. Und das kann auch schnell mal ein dreiviertel Jahr dauern – und du sagst:“Hallo??? Wenn ich ein dreiviertel Jahr nachdenken mußt bis dir ein Gitarrenriff einfällt, versteh ich garnicht! Was machst Du denn den ganzen Tag???“ HAHAHA – und diese Statik, diese Lethargie bei Megaherz hat bereits Anfang 2000 bei Noel Pix dazu geführt, daß wir die Platte fertig gemacht habe und er uns das Zeug vor die Füße geschmissen hat und gesagt hat “Leute, macht euren Scheiß in Zukunft alleine, mir ist das alles zu träge! Ihr seid ein Haufen Lahmärsche!“. Naja, und ich, damals noch „voll Megaherz“, hab das zwar auch so empfunden, hab aber gesagt „Nestbeschmutzer, fahnenflüchtiger Scheißkerl! Verpiss Dich, hau ab, ich will Dich nie wiedersehen!“. Und eineinhalb Jahre – kein Kontakt. Und irgendwie haben wir uns auf einem Konzert von Bekannten wieder gesehen, haben das ganze ausgekaspert, haben uns noch mal ordentlich vollgekotzt gegenseitig, und irgendwann haben wir miteinander telefoniert, „ja, ich hab ein paar Songs geschrieben, hör Dir das mal an“ – das war „Schwarze Witwe“ und so Zeug - und ich hab gesagt „Geil! Ist zwar was anderes, wesentlich poppiger und elektronischer, aber bleibt düster, ist auch hart! Machen wir!“. Und der Rest ist dann schnell gegangen, zurück zu ZYX, die damals Megaherz entdeckt haben, Gregor Minnig, unser damaliger A&R-Manager ist auch zurück zu ZYX – der war weg, weshalb wir auch die Plattenfirma verlassen haben, das ist halt immer etwas sehr persönliches. Wenn du einen kennst der hinter dir steht, dann ist das was. Wenn der weg geht, stehen alle da und sagen „Öhm...wir machen eigentlich Pop und Dance! Was soll ich mit der Scheißband?“. Und dem haben wir unser Demo vorgespielt, der hat gesagt „geil, machen wir“ – und zackbum ging`s wieder los! Un jetzt stecken wir wieder in dem Zirkus – wunderbar...


ZOMBIE: Wie seid Ihr eigentlich auf den Namen Eisbrecher gekommen – irgendwie kann ich mit dem Namen nix anfangen...


ALEX: Echt??? Aber das macht nix, wunderbar! Der eine sagt gleich „Boah, da sehe ich folgendes... Da habt Ihr Euch wirklich viel dabei gedacht!“ – und der andere sagt, wie Du jetzt:“Versteh ich nicht! Klingt provokativ, soll`s auch so martialisch klingen wie Rammstein?“. Nein – der Witz ist einfach: wir haben den Song „Eisbrecher“ in der Mache gehabt, und ich war - weil da so ein Echolot vorkommt – immer so bei U-Boot von der Assoziation her. Da hatten wir noch keine Bandnamen. Naja...U-Boot...U-Boot...Krieg – BÄH, braucht kein Schwein! Meint der Noel:“Das Geknirsche erinnert mich eher an einen Eisbrecher!“ – BAMM! Also war die Assoziation da, denn Eisbrecher hat was wahnsinnig bedrohliches, so ein Stahlkoloss, sieht finster aus – aber andererseits auch was ganz positives: Eis brechen, um Leute raus zu holen, um Versorgung zu gewährleisten, um – und wenn du das jetzt weiterspinnst – um zwischenmenschlich Eis zu brechen! Ich finde es gibt unheimlich viel Eis zu brechen, und der Name Eisbrecher, das war eine Assoziation, wo man sagt kann man dahin und dahin interpretieren. Es hat was unglaublich positives und auch was bedrohliches, und das ganze Leben ist diese Wechselwirkung! Was dir einerseits Angst macht hat auch immer einen Reiz für dich, wie die Leute die nach einem Kick suchen. Die begeben sich in Gefahr, um danach zu sagen „Boah – ich hab`s überstanden, wie geil ist das denn!“. Also Plus-Minus-Assoziation. Kalt, Maschine – andererseits für den der in Not ist, was ganz positives. Und das lässt genug Raum, um alles mögliche rein zu packen – Gefühle, mal was maschinelles, mal was brachiales...
Wer das nachvollziehen kann ok, ansonsten: es ist ein Name, nichts weiter!


ZOMBIE: Und das Intro „Polarstern“ – sollte das auch so was bedrohliches sein? Das ist eines der Stücke, die mir mit Abstand am wenigsten gefallen! Da hab ich beim ersten Hören gedacht:“Wenn das Album so weiter geht – Himmel hilf!“


ALEX: HAHA! Gut, ist ja nur ein Intro...


ZOMBIE: Du hast es ja schon angesprochen – musikalisch anders als Megaherz, elektronischer, laut Waschzettel ist es ja Trip Rock...


ALEX: Scheiß drauf!


ZOMBIE: Zu dem Infozettel komm ich nachher noch mal... Wie würdet ihr die Musik bezeichnen? Den Begriff „Rock“ finde ich aufgrund der Tatsache, das so viel Elektronik drin ist, nicht sooo angebracht!


ALEX: Mag sein! Kann ich auch absolut nachvollziehen, daß man das so sieht! Der Oberbegriff wäre korrekterweise Pop – „Populärmusik“, U-Musik – „Unterhaltungsmusik“...deshalb hab ich den Satz geprägt wenn einer gar nix damit anfangen kann:“Es ist Unterhaltungsmusik für aufgeschlossene.“ – soll so viel heißen wie: bist du aufgeschlossen gefällt`s dir, sagst du passt in meinen Horizont – und wenn nicht, dann halt nicht. Punkt, aus, Feierabend! Weil, für mich ist es deswegen auch Rock. Ich hab kein Problem mit dem Begriff Pop! In den 80ern war Frankie Goes To Hollywood definitiv eine Popband, die für mich aber unglaublichen Rock`n`Roll gemacht hat in diesem Einheitsbrei! Aber es war eine Band, die mir sehr gefallen hat, weil die sehr provokativ...einfach ein bisschen anders waren! Fand ich geil... Pop und Rock – wo sind da die Grenzen? Mein Gott, Bryan Adams ist auch Rock, aber eher die poppige Variante, Marylin Manson ist Rock, aber eher die provokative Variante, und dann haben wir noch Death, Thrash, Doom – schlagmichtot! Splittert sich alles auf. Billy Idol hör ich wahnsinnig gern, auch wenn`s wahnsinnig kommerziell ist, es ist für mich Rockmusik, aber auch Popmusik.
Und Eisbrecher ist für mich in einem Rockkontext zu sehen, denn es ist für mich eine harte Musik. Du hörst dir nicht die Platte an und sagst nachher:“Hui, war des eine lustige Fahrstuhlmusik!“. Du musst dich damit auseinander setzen. Entweder hast du Bock darauf, dich mit der Mucke auseinander zu setzen, findest es gut oder scheiße, aber Du kannst es nicht nebenbei hören, dafür ist es viel zu bissig!
Der Rockbegriff passt trotzdem, da sind Songs drauf wie „Taub, stumm und blind“, „Angst“ usw – wenn die nicht rocken, weiß ich auch nicht! Aber es ist ganz klar: der Rahmen, den wir mit Eisbrecher haben – wir sind 35 Jahre, wir haben ein paar musikalische Phasen hinter uns, die einen alle prägen – die Grätsche, die wir nehmen vom Pop, Europop, Eurothrash... - “Fanatica“ ist für mich die Collage, die alles verwurstet, was den Begriff „Pop“ ausmacht – also wir versuchen die Grätsche zu nehmen zwischen Rock und Pop. Warum denn nicht verdammt noch mal? Ich bin ein sehr aufgeschlossener Mensch, ich kann mit Dimmu Borgir was anfangen, genauso mit Depeche Mode – ist für mich alles ok! Ich glaube dafür steht auch Eisbrecher, denn in eine musikalische Schublade passt`s nicht wirklich rein...
Man muss aber offen bleiben! Wie heißt Eure Seite nochmal...verdammt – www.planetheavymetal.de. Ich hatte neulich das Vergnügen aufzulegen in Nürnberg in der Rockfabrik, da sagst du auch „Mensch, jetzt läuft dauernd U.D.O, Maiden, Priest, Maiden“...die ganzen Klassiker am Stück, die Leute haben mitgesungen aus vollem Hals – weißt schon, 15 Minuten „Princess Of The Dawn“-Liveversion – YEAH! Oh Gott - und wie sollen wir jetzt da anknüpfen??? Und das geile war festzustellen, daß die Matten neben den Kurzhaarigen, die Oomph!-Shirt-Träger neben den Iced Earth-Shirt-Trägern ... – es hat gepasst! Es kommt immer darauf an wie aufgeschlossen du bist und in welchem Kontext was rübergebracht wird. Hat funktioniert, und das macht mir Mut. Ich bin nicht so ein Szenemensch, ich finde, nur Metal – „ich steh nur auf Saxon, Slayer, Maiden, alles andere find ich scheiße“ - finde ich engstirnig! Ich finde `ne Platte gut oder scheiße! Ich kann Pink gut oder schlecht finden – aber ich kann trotzdem absoluter Priest-Fan sein! Und dafür stehe ich, und Eisbrecher ist das was uns eingefallen ist. Einordnen darf das jeder selber, und wenn Du sagst „hat im Rock-Kontext nix verloren“ – dann bin ich der letzte der Dir sauer ist!


ZOMBIE: Mittlerweile hör ich mir ja gezwungenermassen Sachen an, die ich früher nicht mal im Laden angeschaut hätte! Und Elektronikzeug ist eigentlich nicht wirklich meine Baustelle...


ALEX: Das ist doch völlig ok!


ZOMBIE: ... aber die Scheibe wollte auch sonst keiner machen. Also hab ich mir gesagt ich hör sie mir so lange an, bis es „klick“ macht – im positiven oder negativen Sinn. Und musikalisch kann ich mich inzwischen ganz gut damit anfreunden, zum textlichen kommen wir nachher noch... Aber mal was anderes: der Spruch „Das ist nicht die beste Platte der Welt, aber mindestens genauso gut!“ – ist der von euch?


ALEX: Haha...klar! Das ist ein typischer Alex! Haha!


ZOMBIE: Als ich den Spruch beim auspacken gelesen hab, hab ich gedacht...


ALEX: „Was für eine Scheiße!“ HAHA! Geil! Ich fand den sooo geil – denn was ist verdammt noch mal die beste Platte der Welt??? Ich hab diesen Waschzettel auch durchgelesen und gedacht: da fehlt noch was! Kennst ja diesen Spruch wenn Du Leute interviewst – ich hatte ja auch schon das Vergnügen mit Kollegen wie Slayer Interviews zu führen in der guten alten Zeit, und es war immer ganz amüsant, da stellst Du fest, es gibt die die sagen „take it or leave it – entweder es gefällt dir oder auch nicht, ist mir scheißegal!“ – und die, die jedes Mal erzählen „das ist unsere beste Platte, und Wahnsinn, super...“. So was ödet einfach an! Aber weiß ich – ehrlich gesagt – wenn die Marketingmaschine greift, wenn auf einmal MTV und Viva sagen „Geil!“ – gut, wir haben gar kein Video gemacht, insofern können die auch nix sagen – aber wenn auf einmal alles losrennt und du bist auf einmal Top Ten: hast du dann auf einmal die beste Platte der Welt gemacht? Nein – du hattest vielleicht nur Schwein, der Trend passt gerade, weil irgendeiner in irgendeiner Zeitung `ne neue Scheiße erfunden hat – keine Ahnung! Was ist die beste Platte – das ist immer individuell, deshalb kann ich als Individuum mich hinstellen und sagen:“Es ist mit Sicherheit nicht die beste Platte der Welt – was absurd wäre zu behaupten – aber sie kann auch mindestens genauso gut sein. Zumindest für mich, den oder jenen! Wenn ich die Platte nicht gut finden würde – was nicht heißt das Du sie gut finden mußt – dann hätte ich sie besser gar nicht veröffentlicht!
Man sollte zu dem stehen was man raus haut – und wenn einer sagt „naja, ist halt ein Projekt, eigentlich mag ich lieber was anderes“ – das ist ein Arschloch! Tut mir leid, aber mach das wozu du stehen kannst. Ich kann 100% dazu stehen und für mich – mich! – ist sie mindestens so geil wie jede andere geilste Platte der Welt. Aber ich bin um Gottes Willen keiner, der zu Hause den ganzen Tag nur Eisbrecher hört – und ehrlich gesagt hör ich auch nie das, von dem alle sagen „das musst du dir anhören“. Das finde ich ziemlich öde, da hör ich mir lieber Extrabreit an!
Der Spruch ist großmäulig, aber eigentlich dachte ich, er wird mit einem Augenzwinkern verstanden... Bloß meine Ironie bleibt oft auf der Strecke. Wenn du so was sagst bei einem Interview, wo eine Kamera dein Augenzwinkern aufnimmt, dann ist es klar. Aber wenn das geschrieben wird, kann das auch nach hinten gehen – und in dem Fall ging`s nach hinten los... hahaha!


ZOMBIE: Stimmt – die Mischung aus erst den Spruch lesen und dann das Intro – da hab ich gedacht...


ALEX: ...“jetzt wird`s hart! Mir reicht`s schon!“ Hahaha!


ZOMBIE: Stimmt! Gerade zu den ersten Durchläufen habe ich mich echt zwingen müssen! Nach dem Einstieg hat die Platte es verdammt schwer gehabt. Das kann ich Dir versichern!


ALEX: Lustig das Du das sagst – die Sandra vom Metal Heart hat gemeint:“Fangen wir mit dem Intro an – das find ich so geil!“. Die einen finden`s Wahnsinn. Wir haben uns mit dem Intro echt einen Jux gegönnt. Du nimmst Eisbrecherdaten, multiplizierst alles mit 2, 3, 4 bis ins unermessliche und sagst am Schluß sinnloses Zeug wie „unsinkbar“ oder „Höchstgeschwindigkeit: unwahrscheinlich“. Wer versucht darin einen Sinn zu suchen? Der wird noch lange suchen – es gibt keinen. Aber wie kommt der Jux rüber – einer der den Alex kennt versteht den Spaß, einer der die Platte zum ersten mal hört findet es entweder cool gemacht oder sagt „entschuldige – so ein Scheiß!“. Aber das Risko hast du immer.
Am besten man verzichtet auf ein Intro. Mich langweilt es zum Beispiel wenn ich eine Metalplatte kaufe, und ich bin immer noch Metalfan, es gibt halt gut gemachten und nicht gut gemachten Metal, und dann kommt ein elend langes Intro mit Fanfaren, Pferde trampeln über die Steppe – und der erste Song heißt „My Sword Is My Emperor“ oder irgend so was! Dann sagst du auch „jetzt reicht`s Jungs! Jetzt habt ihr so auf die Zwölf gehauen, daß ich direkt weiterskippen muss, und ich hoffe, ich werde noch positiv überrascht“. Das ist mit jedem Intro so. Entweder es kann voll funktionieren, oder, wie in Deinem Fall, was ich aber auch geil finde, „meins ist es nicht“. Und dann kommt der Song „Herz steh still“, der geht ja auch so gemächlich los, da denkst du „kommt jetzt mal was fetziges, oder ödet die Platte so durch?“. Je nach sichtweise – wenn du es gern schneller hast, kannst du bei Eisbrecher eventuell nach dem zweiten Song ausschalten!


ZOMBIE: Ich war manchmal kurz davor! Das war eine von den Platten, die nach 15 Durchläufen einige Lieder hatte, die ich so richtig satt hatte (lachen am anderen Ende der Leitung) und einige haben mir richtig gut gefallen!


ALEX: Also ehrlich – was ich geil finde an diesem Interview: das ist mal eine ehrliche Ansage! Das ist nicht dieses „du weißt schon, ich war schon immer Fan...blablabla“. Finde ich super, das Du sagst „Hey Jungs, mal ehrlich, das wir jetzt telefonieren liegt daran, daß ich mir echt Mühe gegeben habe, es nicht gleich in die Tonne zu treten!“ – danke! Hahaha!


ZOMBIE: Ihr habt auch euer Fett abgekriegt – so ist es nicht...


ALEX: Was auf unserer Website als nächstes passiert: wir werden alle Reviews die sagen „vergiß es“ und die die sagen „wow, das ist geil“ in unsere Mediasektion packen. Die ganz guten und die ganz schlechten. Wo drinsteht „ist ganz ok“ – das interessiert eh keine Sau!
Der Wolf-Rüdiger Mühlmann hat damals für die erste Megaherz-CD fast das gleiche Review geschrieben wie jetzt für Eisbrecher! Wenn ich die nebeneinander halte – 90% identisch, und das 7 Jahre später! Muß man erst mal hinkriegen, aber ich fass es als großes Kompliment auf haha!


ZOMBIE: Du hast ja vorher schon Falco erwähnt – welcher Bands haben euch beeinflußt? Oder gibt es irgendwelche Songs, die praktisch als Hommage gedacht sind – sei es musikalisch oder textlich?


ALEX: Schwierig! Welche Songs als Hommage verstanden werden könnten....ich bin ein großer Fan der Neuen deutschen Welle, ich bin ein alter Sack, ich hab die ja noch gut mitgekriegt. Ich war elf oder so und hab da meine Highlights. Die NDW ist in etwa so gut wie die New Metal-, Grunge- oder welche Bewegung auch immer! Und ein Song wie „Willkommen im Nichts“ oder „Fanatica“ haben – meines Erachtens – etliche Anleihen Richtung NDW.
Textlich – schwierig. Am ehesten in diesem dadaistisch-ballaballa-Niveau unterwegs ist wohl „Fanatica“. Denk was du willst, du musst den Song nicht ernst nehmen – ich nehm ihn auch nicht ernst! Ich fand ihn nur in seiner Endkonsequenz als Collage an absurden musikalischen Stilrichtungen geil, die Plattenfirma hat gesagt „den nehmen wir nicht auf die Platte!“ – und ich habe gesagt genau deswegen! Da kann man sich hervorragend drüber aufregen, so was muss auch sein.
Musikalische Vorbilder...ich bin absoluter Fan seit ich denken kann einer Band wie Oomph!. Und ich kann auch nicht verleugnen, daß diese Band auch zu Megaherz-Zeiten einen Einfluß ausgeübt hat. Aber das verselbstständigt sich auch – wir veröffentlichen ja beide Platten, und wenn ich mir die neue Oomph!-Platte kritisch anhöre, denke ich mir auch „haben die die letzte „Kopfschuß“ auch gehört?“. Ich hör mir alles an, was in meinem Segment ist, was mir Spaß macht. Aber was meine Wurzeln betrifft was Rock angeht: von Oomph! über Sisters, Accept, Judas Priest... Die Metal-Elemente auf Eisbrecher sucht man irgendwo vergebens, aber ein paar Industrial-Einflüsse à la Ministry, bisschen was von Faith No More bei „Sakrileg 11“ – die sind da. Jeder der Mucke macht – ich als Individuum bin ein Sammelsurium aus Individuen, die mich prägen – Eltern, Freunde, Chef... Du setzt dich aus wahnsinnig vielen dich umgebenden Menschen zusammen und baust so daraus dein Individuum und sagst ich bin bisschen hiervon, hiervon, hiervon – aber meine eigene Struktur geht da lang. Und musikalisch ist es doch nicht anders. Das Rad erfindet keiner neu. Jeder klaut, bewußt oder unbewußt. Das Eisbrecher nicht die das eigenständigste, neueste etc. ist zollt Tribut an Bands wie Rammstein, Megaherz natürlich, usw – ich kann dir jetzt nicht aufzählen, welcher Song konkret in welche Richtung geht...
Klar sind wir eine Mischung, und das wird auch so bleiben! Ich will auf die Bühne gehen, und da oben rocken! Und es wird definitiv rocken! Was wir Ende März / April auch auf die Füße stellen werden! Da wird eine fünfköpfige Band oben stehen, die definitiv rockt. Wichtig ist, daß es den Leuten gefällt, die da stehen!


ZOMBIE: Ich meine ganz speziell zwei Songs: „Willkommen im Nichts“ – Falco und „Schwarze Witwe“ – Ärzte, „Bitte Bitte...“!


ALEX: Echt??? Das ist lustig – weil Ärzte und ich, mmh... Ich bin weder Hosen-Fan, ich war`s mal, das ist aber lange her, die ersten 3 – 5 Platten...Ärzte war mir immer zu teenager-mäßig infantil, da war ich wohl zu alt dafür...aber...stimmt! Da wär ich jetzt im Leben nicht drauf gekommen! Aber jetzt wo du es sagst...stimmt! Hat aber echt nicht Pate gestanden – denn wenn ich mich inspirieren lasse, dann sage ich auch der Song, der Text! Wenn ich klaue kann ich das auch zugeben. Aber weder der Noel Pix noch ich haben bewußt Ärzte-Platten im Schrank.
Bei Falco sieht das anders aus – der Witz ist nur die Assoziation zu Falco ist nicht bewußt, sondern die kommt glaub ich über das Thema. Und vielleicht weil man den Bayern gerne mit dem Österreicher verwechselt – vielleicht kommt es erstens daher und weil meine Aussprache manchmal nicht ganz so hochdeutsch ausfällt. Das ärgert mich jedes mal wenn ich ein Album anhör – „Mann, es heißt „durch“ und nicht „duarch“ – Arschloch, wieder ist dein Slang durchgerutscht!“. Aber die Thematik klingt sehr nach Falco. Es gibt kein Lied von Falco, das ich mir da gekrallt hätte. Aber Du bist nicht der erste dem das auffällt! Aber nein – das war nicht bewußt. Aber eigentlich ein Kompliment, denn mein allererstes Konzert im Leben war Falco, und insofern kann ich hervorragend damit Leben! Geil – vielleicht konnte ich nach dem „Rock Me Amadeus“-Flop auf der „Kopfschuß“ meine Hommage ungewollt abfeuern. Lustigerweise – ist Falco Rock oder Pop – da sind wir wieder an der Eingangsfrage...


ZOMBIE: Dann noch eine Frage zum texten allgemein – „Fanatica“ ist wohl der Song, der mir am meisten auf den Sack ging, aber mit dem Dadaismus hast du das ja erklärt...


ALEX: „Fanatica“ ist definitiv nah an Trio dran. Deswegen auch der Satz „das ist der Rhythmus wo ich mit muss“. Trio findet man entweder geil oder richtig zum kotzen! Da haben wir auch alles verwurstet, wo Du als Metaller sagst „mach bitte die Scheiße aus!“. Haha! Das war aber auch Absicht. Einfach mal drauf machen und sehen was passiert. Aber wir wussten ja wirklich nicht, wer verdammt noch mal am Ende auf Eisbrecher abfährt! Die Metaller? Die Waver? Leute mit 45, die Trio toll fanden? Ich weiß es nicht! Haha!


ZOMBIE: Hat sich dein im Infozettel erwähntes Germanistik-Studium irgendwie bemerkbar gemacht? Ich hab mir noch gedacht „da preisen die das Germanistik-Studium an, und der haut solche Dinger raus!“.


ALEX: Ich bin 35 und hab zwei Semester... Germanistik hab ich studiert weil mich schon immer die deutsche Sprache interessiert hat und ich auch nie ein Problem damit hatte. Irgendwie will ich immer die Lanze brechen für die deutsche Sprache. Xavier Naidoo kann auf deutsch soulen, es gibt deutschen HipHop, aber das kann auch rocken! Als wir mit Megaherz `93 anfingen, da hast du tief graben müssen, um überhaupt zwei drei Bands zu finden, die deutsche Texte haben! Die Schweisser und Such A Surge – und dann war Schicht im Schacht! Ein Jahr später kam Rammstein, und die haben alle wie ein D-Zug über den Haufen gefahren. Und von da an war jeder, der länger oder genauso lang dabei war jemand, der auf den Rammstein-Zug aufspringen wollte. Naja...
Aber mein Studium und meine Texte haben nur bedingt miteinander zu tun. Wenn ich in Deutschland auf der Bühne stehe, dann rede ich ja auch mit dem Publikum. Ich finde es auch gut, wenn die Leute die Texte kapieren können – ob sie es gut finden oder scheiße, egal! Das ist mein Credo, und deshalb wird das auch in Zukunft wenn ich Musik mache immer auf deutsch stattfinden.
Das gleich gilt übrigens für erwähnte Platin-Veröffentlichung! Die hab ich bekommen, weil ich für Pokemon die Texte übersetzt habe und den Pokemon-Rap für diese beschissene Kindersendung gemacht hab! Das hat mir wahnsinnig viel Kohle gebracht... Der Noel Pix lebt ja auch nicht davon das er Eisbrecher macht, sondern Mucke für Mercedes etc macht und einen Preis nach dem anderen abräumt!


ZOMBIE: Wie sieht`s eigentlich aus mit dem Inhalt der Texte – sind die eher autobiografischer Natur oder kommst Du da drauf weil Du zum Beispiel ein Buch, Kurzgeschichte etc gelesen hast? Ich meine jetzt Songs wie „Herz steh still“, „Schwarze Witwe“ und „Frage“?


ALEX: Geil – perfekte Auswahl! „Herz steh still“ ist meine kleine persönliche Abrechnung mit Megaherz...


ZOMBIE: Ich dachte eher mit der Ex-Freundin...haha!


ALEX: Nein nein! Kann man natürlich so interpretieren, da haben wir`s offen gelassen. Also kleine persönliche Abrechnung – Herzstillstand attestiere ich, und deswegen bin ich auch gegangen. „Schwarze Witwe“ ist spielerisch sich mit der Frage auseinander setzen – die auch in einem selber ist, also zum Teil autobiografisch, aber mir reicht das nicht, ich mache mit meinen Platten ja keinen Seelenstriptease. Das ist der Unterschied zwischen einer Band wie Eisbrecher und Oomph! zum Beispiel. Während der Dero von Oomph! immer sehr reflektierend ist, bin ich eher auf der Sache nach was, was ich bei mir oder bei anderen feststelle, und überlege mir:“Geht`s anderen ähnlich?“. Ich versuche da immer einen Multiplikator zu finden, sozusagen „lass uns mal Sachen thematisieren, die den allgemeinen jungen Mann in Deutschland vielleicht bewegen. Und „Schwarze Witwe“ ist halt dieses „mal Sex mit zwei Frauen“ oder eine starke Frau, eine Frau die führt, eine Frau die Kontrolle über mich ausübt, die Frau die sagt:„jetzt leg dich hin, ich versohl dir jetzt den Arsch!“ –wo man also in seinen demütigen, devoten Träumen einen Ständer kriegt und sagt:“Das wär doch mal geil, eine die mich richtig zur Schnecke macht!“. Und in der Realität – und das ist der ironische Aspekt – was passiert dann wenn du die wirklich mal triffst? Ich würde sagen, ich gehöre auch zu den 90%, die sagen:“In der Fantasie ganz ok, da kann ich schön träumen, aber jetzt nehm ich mal die Beine in die Hand!“ HAHAHA. Ich muss nicht die Erfahrung machen, das die Tür zugesperrt ist und ich erst wieder in fünf Einzelteilen rauskomm. Die „Schwarze Witwe“ ist eigentlich der Stellvertreter für „starke Frau“. Stark in der Gesellschaft, im Job – und das ganze halt rübertransportiert in dieses schwarze Klischee transportiert. Diese Damen ganz in Lack und Leder.
Und „Frage“ - ich hab mit Megaherz Stücke geschrieben wie „Miststück“. „Miststück“ wurde immer als frauenfeindlich verstanden – ist es eigentlich gar nicht! „Schon morgen will ich dich wieder zurück“ – „Miststück“ ist eigentlich dieser beknackte Typ, der sich fertig machen lässt von seiner Alten, aber nicht von ihr los kommt! Aber durch den Chorus („Miststück – ein Stück Mist“) – „Ja, meine Alte hat mich verlassen, Weiber sind scheiße...geil!“. Wunderbar. Ich war immer der Typ, der andere Frauen poppen muss – wir Typen sind halt so! Wenn du mit deinen Kumpels weg gehst, an der Bar steht `ne geile Alte denkst du:“das wär was!“. Aber natürlich weißt du deine Freundin sitzt zu Hause... Ich hab solche Texte geschrieben – ich hab eine Freundin – und meine Freundin hat in der Zeit, in der ich ein einer Band spiele ganz schön viel Scheiße ertragen müssen, unter anderem solche Texte! Und es war an der Zeit einen Text zu schreiben, wo man sich die Frage stellt:“Schatzi, warum liebst du mich eigentlich? Warum bist du eigentlich noch da? Ich spiele in einer Band, schreibe solche Texte, war auch schon untreu! Was pfeifst du dir eigentlich rein?“. Wer ist eigentlich stark, wer der Schwache? Der der kämpft, der arbeitet und festhält – oder der, der permanent die Sache in Frage stellt? Eine große Verbeugung – und ernst gemeinte – nach Jahren fällige Verbeugung vor den Menschen, die es schaffen, sich Klischees zu entziehen, die ihren eigenen Weg gehen und eigentlich immer den konstruktiven Weg gehen und an einer Sache arbeiten. Ich bin eher so ein Davonläufer und sag wenn eine Sache kompliziert wird „scheiß drauf!“. Und ich bewundere das – Leute wo ich sage ich wäre gern so, aber ich bin nicht so. Und ich denke Du oder auch andere haben in ihrem Leben oder in der Partnerschaft – mit Sicherheit – die Situation hatten, wo man sagt „Wahnsinn, da hab ich Dir so massiv viel zugemutet – und Du sitzt da und bist stark! Und eigentlich müsstest Du mir in die Schnauze hauen!“. Das ist ein sehr sehr ehrlich gemeinter Text.
„Schwarze Witwe“ ist sehr ironisch, kommt aber nicht rüber durch das Klischee das wir bedienen. Es gibt bestimmt viele in der schwarzen Fraktion, die das genau so 1:1 fressen und die Ironie nicht sehen. Ich finde, daß es gut gelungen ist, aber meine Ironie kommt nicht immer an. Selbst an der einen Zeile „Es ist nicht die beste Platte...“ merkt man, man kann auch immer stecken bleiben.


ZOMBIE: Das war auch der Zweifel den ich hatte – durch die Parallelen zu den Ärzten war ich mir nicht sicher. Ob Du das ernst meinst, da andererseits viel in Richtung EBM / Dark Wave geht...


ALEX: Ich bin kein Szenemeier! Ich schau mir die schwarze Szene an, aber ich gehör nicht dazu. Genauso wenig zur Metal-Szene, klar hab ich angefangen mit Accept und Judas Priest – aber ich wollte nie zu einer Szene gehören. Ich bin Szenewanderer, geh mal hier und mal dort hin... Ich bin lieber ein bunter Hund auf dem Wacken und tret da in der bayrischen Lederhose auf –genauso auf einer Veranstaltung, wo alle bunt sind zieh ich schwarze Sachen an und häng mir einen MG-Gurt um und schrei „METAL!“. Wenn alle die gleiche Mucke geil finden, die gleichen Klischees runterbeten, dann wird`s öde! Geil ist `ne bunte Mischung – Mister Iced Earth neben Mister Anzug, neben Mister Punk, neben Misses Latex – und dann wieder einer in kunterbunten klamotten wo man fragt „Wo haben sie dich denn rausgelassen?“. Aber wenn die alle da unten stehen und eine gute Zeit haben, dann fühle ich mich am pudelwohlsten. Ich möchte nicht irgendwann feststellen, daß ich ein Klischee, ein Klientel bediene! Wenn eine Szene zur Sekte mutiert – dann finde ich das extrem schade! Immer offen bleiben. Und die Dark Waver, die können auch gerne mal ein bisschen mehr lachen! Du darfst die finsterste, schwarze Mucke hören – aber wenn einer einen Witz erzählt, dann darf man auch mal drüber lachen und muss sich nicht auf dem Klo verstecken!


ZOMBIE: Einen Song habe ich noch, der aufgefallen ist – und zwar sehr positiv! „Mein Blut“ – leider sind nicht mehr Songs von der Sorte auf dem Album! Und um den Bogen nochmal zu schlagen – da könnte man natürlich den Vergleich zu Enigma ziehen...


ALEX: Genau! Haha! Ist lustig, der erste Titel, den wir zusammen gemacht haben ist „Schwarze Witwe“ – und der zweite war „Mein Blut“! (Offensichtlich gefällt mir die frühe Phase von Eisbrecher besser... – Anm. d. Verf.) „Mein Blut“ ist einfach eigen. Der hat eine Eigendynamik entwickelt...den hatten wir als erstes fertig, und deswegen ist er auch als erste Single gekommen. Wir wollten ein Zeichen setzen für die Leute, die gesagt haben:“Megaherz machen weiter, jetzt kommt Eisbrecher – und die labern alle nur und tun nichts!“. Hat überhaupt nicht funktioniert! Dieser Beat ist so schleppend, schwer... In sich ist der Song absolut stimmig, denn er bringt Eisbrecher gut auf den Punkt. Es ist kalt ohne Ende, supersteril, und er hat dieses megaüberhobene „Ich vergisse mein Blut für dich...“ – kalte Kirche, da macht einer den großen Zampano... Treffender geht`s nicht – dieser überzogene messianische Anspruch „Hey schau mich an, ich bin der Größte, und für euch lass ich mich ans Kreuz nageln...“ – eigentlich auch wieder eine ironische Abrechnung mit dem ganzen. Ist George Bush mein Messias? Oder Saddam Hussein? Wer verdammt noch mal ist dieser eiskalte Arsch, der sagt „für dich würd ich sterben!“?
Für mich ist es ein magischer Song, ich find ihn geil, im Club hat er gar nicht funktioniert. Im Club funktioniert er lustigerweise jetzt, weil „Angst“ gut gelaufen ist! Und jetzt funktioniert auch „Mein Blut“...
Musik funktioniert nicht am Reißbrett, wo man sagt „ich mach das, das und das“ – und dann kommt Atmosphäre raus. „Mein Blut“ hat diese Atmosphäre, „Willkommen im Nichts“ ist ein sehr geiler Song…ich hab so meine persönlichen Highlights! „Sakrileg 11“ mag ich auch wahnsinnig gern. Warum auch immer – die haben für mich diese magischen Momente… Wenn du mich fragst, warum dir „Mein Blut“ gefällt – also bei Heavy Metal hätte ich mehr damit gerechnet das Songs wie „Mein Blut“, „Fanatica“ oder „Schwarze Witwe“ – also Songs mit wenig bis gar keiner Gitarre – dir weniger gefallen! Wenn Du sagst Dir gefällt „Mein Blut“ frage ich mich: warum gefällt jetzt dem Metaller „Mein Blut“?


ZOMBIE: Wahrscheinlich weil – wenn ich mir mal so was genrefremdes anhöre – dann lieber gleich komplett anders! Und meistens finde ich dann die Gitarren vollkommen schlecht! Und nach den vielen Durchläufen zünden dann eher die Songs mit wenig Gitarren, da ich sonst anfange zu Vergleichen…


ALEX: Ok – dann kannst Du´s aus diesem Kontext lösen. Ist was anderes, also geht man anders drauf zu…


ZOMBIE: Die Frage zu den Liveaktivitäten hast Du ja vorher schon angeschnitten…


ALEX: Da musst Du vorbei kommen! Denn live rocken wir noch mal anders!


ZOMBIE: Dann bleibt als abschließende Frage nur noch: gibt es / wird es wahrscheinlich / sicher etc. ein weiteres Eisbrecher-Album geben? Oder habt ihr gesagt „wir machen die eine Scheibe zusammen und dann gut…“? Oder erst mal eine Scheibe, wenn die Verkäufe gut sind weiter machen und wenn nicht ab in die Tonne mit Eisbrecher?


ALEX: Im Info steht der Begriff „Projekt“. Es hat als Projekt begonnen, denn wenn man zu zweit etwas macht weiß man nicht, ob man eine Band finden wird, einen Deal – gar nichts! Jetzt haben wir die Band, wir machen eine kleine Doku im „Oberfranken TV“ – und wir haben einen geilen Drummer, einen geilen Gitarristen – also zwei Gitarristen, die teilen sich auch die Keyboards – einen Keyboarder, einen Bassisten einen ordentlich tätowierten, einen coolen Hund… Also inzwischen sieht das Bandding immer realer aus!
Die Platte kommt jetzt raus, und es gibt genau drei Möglichkeiten: erstens Charts oder Tod, du verkaufst nichts, die Plattenfirma schaut auf die Zahlen und sagt „na super, da haben wir uns ein goldenes Ei gelegt!“. Wenn die uns in die Wüste schicken, dann ist die Band wahrscheinlich erst mal tot. Dann werden wir woanders anklopfen… Erfolg oder Misserfolg was die Platte betrifft wird die Band – ich sage bewusst Band – nicht töten. Was die Band aber töten kann bevor sie in Erscheinung tritt, ist wenn du diese Frustpackung erhältst: kein Veranstalter will dich spielen lassen, du verkaufst keine Platte – dann hast du einfach was falsch gemacht und es hat keinen Sinn. Wenn du nicht darfst und dich keiner lässt, dann bist du ja tot – ob du es dir eingestehen willst oder nicht!
Aber ich bin guter Dinge, vielleicht sind die Leute inzwischen so satt von den Küblböcks, Alexanders, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Hilfe, holt mich hier raus, ich bin ein Dschungeldepp!“…vielleicht sind die Leute so satt, das eine Band wie Oomph! jetzt in die Singlecharts kommt! Ziel ist: wir wollen die Platte raus bringen, im März / April auf Tournee gehen – und den Leuten auf alle Fälle live zeigen, dass das ganze kein Hirnfurz ist!
Wie auch immer – weitermachen will ich auf alle Fälle!


ZOMBIE: Weil Du sagst Band: könntest Du Dir vorstellen, dass die Musiker, die jetzt live mitspielen richtig einsteigen – sich also auch einbringen was die Songs betrifft?


ALEX: Es kommt darauf an, wir haben die Vorarbeit geleistet. Das ist alles Musik, die der Noel Pix und ich geschrieben haben – das ist natürlich ein undankbarer Job. Da bist du praktisch ein schlecht bezahlter Tanzmucker. Wenn du mit einer Coverband auf die Bühne gehst, kriegst du wenigstens richtig Kohle! Wenn du mit Eisbrecher auf die Bühne gehst, schaut`s erst mal scheiße aus HAHAHA! Aber durch das live spielen entwickelt sich eine Dynamik, du merkst wer wie was wann wo. Und am Schluß, wenn du soundsoviele Konzerte gespielt hast, dann bist du nicht mehr die Zwei-Mann-Show. Und wenn es eine Chance gibt für ein zweites Album, dann wird der Gitarrist – wenn alles passt und wir menschlich zueinander passen – dann ist es natürlich so, das der Felix (Gitarre) beim Songwriting für die nächste Platte kommt und sagt:“Hey, ich hab eine Idee!“. Und das ist das geile daran – wenn wir die Chance auf ein zweites Album kriegen, wird die zweite Eisbrecher-Platte hundertprozentig anders sein! Die kann rockiger, metallischer, funkiger – alles mögliche werden! Die Liveerfahrung nimmst du mit, und daraus entstehen die Songs für`s neue Album! Wenn die Drums live eingespielt sind, zwei Gitarren statt einer – ich möchte nicht als zweite Platte noch mal die erste machen müssen! Es gibt nichts öderes, als immer wieder die gleich AC/DC-Platte anzuhören… Stagnation ist der Tod – da hab ich keinen Bock drauf! Da komm ich vorher zu Dir in die Klinik…


ZOMBIE: Zumindest war euer Album insofern reizvoller als die zwanzigste Strato-Kopie aus Italien…


ALEX: Danke! Kritik ist ja auch ok, finde ich super! War ein richtig geiles Interview – behalt Dir die Ehrlichkeit! Diese Schleimscheißerei von wegen „ich fand euch schon immer super…schickst mir noch ne Promo“ – da sagst Dir „ok, ich weiß nicht ob du es gut findest, ich weiß nur, das du mir die ganze Zeit nach dem Maul laberst!“. Das war geil, eine harte Nuss, aber gut! Da kann ich auch ordentlich drüber nachdenken, danke!


ZOMBIE: Mir hat`s auch eine Menge Spaß gemacht!


ALEX: Mist – ich seh grad ich hätte um 19 Uhr mein nächstes Interview gehabt – mach`s gut mein Lieber! Bye!


ZOMBIE: Bye!

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