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Zur Meinung von Amazon

Interview: Interview mit Eisregen (15.11.2004)

Veröffentlicht am Freitag 19 November 2004 18:48:51 von endless_pain
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Da zum neuen Album und auch zur allgemeinen Situation bei Eisregen einige Fragen offen waren, klingelte ich bei M.Roth durch um mir diese beantworten zu lassen.
 
 
 
 
E_P: Als erstes mal Gratulation zum aktuellen Album. Wie zufrieden seid ihr damit und wie fielen die Reaktionen bisher aus?
 
M.Roth: Danke. Wir sind schon sehr zufrieden damit. Wir haben eine sehr gute Produktion gefahren, denk ich mal und das Material ist auch nicht das schlechteste. Die Reaktionen von Seiten der Presse waren eigentlich auch sehr gut und von den Fans sowieso. Bisher sind alle recht zufrieden damit. Sogar unsere Plattenfirma. Haha.
 
E_P: Das Album stieg ja kurz nach der Veröffentlichung gleich auf Platz 87 der deutschen Charts ein. In wie weit wurdet ihr dadurch überrascht?
 
M.Roth: Überrascht ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wir wussten schon, dass ein ganzer Haufen Leute hinter uns stehen, und dadurch, dass wir eben ein längere Pause gemacht haben waren sie auch heiß auf neuen Stoff. Es haben sich eben gleich in der ersten Woche viele Leute das Album gekauft. Von da her waren wir eigentlich nicht so überrascht. Aber es ist natürlich schon eine schöne Sache.
 
E_P: Ist die Platte danach noch gestiegen oder gleich wieder raus gefallen?
 
M.Roth: Sie ist in der nächsten Woche dann wieder raus gefallen. Da hätten wir ja zwei oder drei Wochen die gleiche Menge verkaufen müssen. Das ist dann doch etwas unrealistisch.
 
E_P: Der Einstieg in die Charts zeigt ja wie beliebt ihr seid. Aber da über euch doch oft kontrovers diskutiert wird, kann ich mir vorstellen, dass euch wieder einige Kritiker zerrissen haben. Wie geht ihr mit der (teilweise ungerechtfertigten) Kritik um?
 
M.Roth: Wir haben natürlich auch wieder wegen den Texten negative Kritiken bekommen. Aber so was kratzt mich eigentlich seit Jahren überhaupt nicht mehr. Entweder man wird hoch gelobt, oder man bekommt ganz böse Kritiken. Das sind immer die Extreme, damit hat man sich mittlerweile schon abgefunden. Es ist selten, dass man mal eine Mittelmass Kritik bekommt und man kann im Laufe der Zeit ganz gut damit umgehen. Wenn es jemandem nicht gefällt, dann ist das okay. Der hört halt dann andere Musik, der soll sich dann eine andere Band suchen. Damit hab ich auch kein Problem.
 
E_P: Wie kommt ihr auf die doch teilweise abstrusen Songtexte? Wollt ihr damit schocken, darauf aufmerksam machen wie krank Menschen doch sein können oder habt ihr einfach nur Spaß an diesen Themen?
 
M.Roth: Also auf alle Fälle Spaß an solchen Sachen. Ich schau ja schon seit vielen Jahren Horror und Splatter Filme und lese auch dementsprechende Literatur. Man kann fast sagen, mein halbes Leben und ich bin jetzt 33. Und das prägt natürlich auch den eigenen Geschmack sehr wesentlich. Und wenn man dann selber Musik macht, ist es dahingehend, dass dann auch die Musik in die Richtung geht.
 
E_P: Aber seid ihr dadurch thematisch nicht etwas eingeengt? Oder besser gesagt, werden die Themen mit der Zeit nicht langsam langweilig?
 
M.Roth: Das musst eigentlich du als Hörer von deiner Seite aus beurteilen. Von meiner Seite aus nicht. Wir haben ja auf der Wundwasser noch schöne Geschichten zu erzählen und das wird sicherlich auch in Zukunft noch so sein.
 
E_P: Das Cover von der Wundwasser CD ist in meinen Augen etwas stilvoller ausgefallen. Auf KK bzw. FF. wurde durch das Cover der Eindruck von Aggressivität und Brutalität erweckt. Wurde dies bei Wundwasser bewusst anders gemacht oder habt ihr einen anderen Zeichner engagiert?
 
M.Roth: Wir haben einen anderen Zeichner gehabt. Das Wundwasser Cover hat unser Bassist, Berg Moorbach, gemalt. Er ist ja freischaffender Künstler und hat eigentlich immer viele Aufträge und viel um die Ohren. Dieses Mal hat er aber mal Zeit gefunden, um das Cover für uns zu malen. Und ich denke mal, es ist sehr schön geworden. Gerade weil er auch an der Musik beteiligt ist und die Texte sehr genau kennt, war es eine schöne Sache, dass er das Cover gemalt hat.
 
E_P: Im Booklet von der Wundwasser CD sind die Lyrics nicht abgedruckt. Wurde das nicht gemacht um der Indizierungs-Gefahr zu entgehen, oder nur um dem Hörer Platz für Eigeninterpretation zu lassen?
 
M.Roth: Die zweite Variante gefällt mir natürlich auch, aber primär um dem Jugendschutz ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn wenn die sich selber hinsetzen müssen um die Texte raus zu schreiben, werden sie nicht so begeistert sein als wenn sie die Texte auf dem silbernen Tablett im Booklet serviert bekommen. Ich hab auch am Gesang dahin gehend gearbeitet, dass alles recht eindeutig für den Hörer zu verstehen ist. Dazu denke ich, braucht man auch nicht unbedingt die Texte schwarz auf weiß, um ihnen folgen zu können.
 
E_P: Kannst du mir etwas über die Indizierung von KK und FF erzählen? Wie wurde das Indizierungs-Verfahren begründet, und was bedeutet das für euch. Euer “Werk“ ist ja dadurch “zerrissen“ worden.
 
M.Roth: Zerrissen nicht unbedingt. Denn die Alben gibt es nach wie vor ab 18 zu kaufen.
 
E_P: Auch die KK?
 
M.Roth: Ja, KK auch. Die haben sie zuerst auf eine andere Liste, die Liste B gestellt. Aber der Beschlagnahme Antrag ist nicht durchgekommen. Also ist sie nach wie vor “nur“ indiziert und für 18jährige käuflich zu erwerben. Die Indizierung ist eigentlich eine recht willkürliche Aktion gewesen. Einer Jugendorganisation aus Brandenburg sind wahrscheinlich die beiden Alben in die Hände gefallen und die haben dann einen Antrag gestellt. Die Bundesprüfstelle ist dem Antrag dann wegen angeblicher Gewalt Verherrlichung und Gefährdung der Jugend  nachgegangen. Ich halte das eigentlich für dumm, aber in Deutschland ist das eben so, und man kann nichts dagegen machen.
 
E_P: Konntet ihr euch zu den Vorwürfen äußern, oder wurdet ihr vor vollendete Tatsachen gestellt?
 
M.Roth: Das war alles zu spät. Die Post ging noch an unsere ehemalige Plattenfirma Episode, weil ja die Logos noch in die alten Auflagen eingedruckt waren. Wir haben viel zu spät davon Wind bekommen um überhaupt noch eingreifen zu können. Da war die ganze Indizierungsgeschichte schon gelaufen.
 
E_P: Darf deiner Meinung nach der Kunst Grenzen gesetzt werden? Ich persönlich sehe eine Indizierung für so ne Art Grenze.
 
M.Roth: Es ist auf alle Fälle ein Eingriff. Und ich meine, es ist schon schön wenn man Musik oder Filme für eine bestimmte Altersgruppe macht. Aber das ist in Deutschland eben eine wirklich harte Handhabe bei der Indizierung. Und da sollten die Schrauben nicht ganz so krass angezogen werden. Jugendschutz an sich ist ne klare Sache, das ist schon sehr unterstützenswert, aber wie es in der Praxis gehandhabt wird, ist totaler Unfug, weil gerade durchs Internet ziehen sich die 14 oder 15jährigen die Alben aus dem Netz und haben sie dann trotzdem. Mit der Indizierung hat man eigentlich nichts erreicht, das macht dann die Musik dann für die Jugendlichen nur interessant.
 
E_P: Wie seht ihr die Indizierungs-Gefahr bei Wundwasser?
 
M.Roth: Die Indizierungs-Gefahr ist bei unserer Art von Musik natürlich immer gegeben. Und wie gesagt ist es extrem willkürlich. Leichenlager und Zerfall sind nicht auf dem Index, dafür aber die Kolonie und FF. Das ist natürlich eine total schwachsinnige Situation. Eine Gefahr besteht natürlich immer, aber wir nehmen das recht ruhig und schauen mal was da geht.
 
E_P: Durch die Indizierung wird es ja für euch immer schwieriger, wenn nicht unmöglich komplette Gigs in Deutschland zu spielen. Kann das jetzt mit den Songs von Wundwasser etwas kompensiert werden?
 
M.Roth: Wir können eigentlich zweierlei Programme auffahren. Als erstes mal Gigs mit Material aus Zerfall, Leichenlager und eben Wundwasser. Und wir bieten den Veranstaltern auch an, Konzerte mit Ausweiskontrolle ab 18 durchzuführen. Aber wir müssen mal sehen. Wir haben noch keinen 18er Gig gespielt, weil die meisten Veranstalter wollen natürlich so viel Publikum wie möglich haben und machen dann die Konzerte für alle Altergruppen zugänglich.
 
E_P: Ihr habt euch mit dem Album ziemlich lange Zeit gelassen. Gab es dafür spezielle Gründe oder wolltet ihr euch mal eine längere Auszeit gönnen?
 
M.Roth: Die Auszeit war sicherlich entscheidend. Wir hatten nach der 2002er Tour zur FF wieder versucht neues Material zu machen und haben dann festgestellt, dass das auf die Schnelle nichts bringt und das die Akkus nach den ganzen Jahren einfach mal leer waren. Dann haben wir uns gesagt, “Kommt, wir machen jetzt mal ein Jahr komplett Pause“ und das hat dann auch dem Album recht gut getan, denke ich.
 
E_P: Meiner Meinung nach hört man der Wundwasser an, dass sie etwas frischer ist als z.B. FF:
 
M.Roth: Ja, die war streckenweise schon ziemlich konstruiert.
 
E_P: Kann es beim 6. Album wieder länger dauern, oder möchtet ihr das innerhalb der nächsten 1-2 Jahre veröffentlichen?
 
M.Roth: Wir werden sehen. Wir bleiben auf alle Fälle ohne größere Pause wieder dran. Wir spielen im Januar eine größere Tour, und dann schauen wir mal. Was im nächsten Jahr sicher kommt ist ein Projekt von mir und einigen anderen Musikern zusammen. Da wird dann eine musikalisch härtere, mehr Death-lastigere Schiene gefahren. Ich denke mal, dass dies auch für den Zuhörer sehr interessant wird, da die Texte garantiert auch nicht ohne sein werden. Das Album wird “Schlachtwerk“ heißen und wird bestimmt auch nicht übel werden.
 
E_P: Eure Musik ist ja ziemlich eigenständig. Habt ihr trotzdem irgendwelche Einflüsse, oder wolltet ihr von Anfang an was eigenes, selbstständiges machen?
 
M.Roth: Selbständig auf  Fälle. Wir wollten schon, dass man als Band eine eigenen Identität hat. Wir hören zwar auch andere Musik, das ist ganz klar. Es ist ein sehr großer Rahmen gegeben, was die verschiedenen Bandmitglieder betrifft. Und ich denke, dass man uns das anhört, dass wir nicht alle stur eine Musikrichtung hören.
 
E_P: Ich hab mir beim Konzert am Freitag wieder gedacht, dass man euch in keine Schublade stecken kann. Es ist kein Black- und auch kein Death-Metal. Keine Ahnung wie ich das ausdrücken soll. Wie würdest du die Musikrichtung beschreiben wenn du müsstest?
 
M.Roth: Wenn ich überhaupt eine Schublade finden müsste, dann deutschsprachiger Extrem-Metal.
 
E_P: Oder Eisregen.
 
M.Roth: Oder Eisregen, ja. Ich glaube wir sind auch die einzige Band, die so richtig in diese Schublade passen, haha.
 
E_P: Wie seht ihr eure Zukunft? Ist wirklich nach der nächsten Platte Schluss, oder überlegt ihr euch das noch mal?
 
M.Roth: Wir haben uns das auch schon ein bisschen überlegt. Wir werden auf alle Fälle mal sehen. Definitiv aus will ich jetzt nicht sagen. Wir kucken dann mal ob noch genügend Ideen da sind, wäre es natürlich Unsinn wenn wir sagen würden “Wir können noch gute Lieder schreiben, bringen die aber nicht mehr raus“. Wie gesagt, wir hatten ja in den letzten paar Jahren auch mal eine ziemliche Leerlauf-Phase, aber die ist zum Glück überwunden. Wir sind wieder ganz guter Dinge, haben ein schönes Album zurrecht gebaut und ich denke mal, da kann danach durchaus noch mehr kommen. Es wäre dumm, wenn man gutes Material weg schmeißen oder aufbewahren müsste. Deshalb denke ich, dass sich ein guter Rahmen finden lassen würde. Wenn das aber nicht der Fall wäre, bleibt man den Leuten trotzdem in irgendeiner Form musikalisch erhalten.
 
E_P: Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen willst?
 
M.Roth: Ich habe eigentlich alles soweit gesagt. Die meisten werden uns sowieso lieben oder hassen und da sind dann eigentlich abschließende Worte eher fehl am Platz.
 
E_P: Alles klar, dann bedanke ich mich, dass du dir die Zeit fürs Interview genommen hast.

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