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Hellish Crossfire Interview
Datum: Dienstag 09 März 2010 09:58:36
Thema: Interviews


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Iron Incubus (Gitarre) beantwortet


1. Könnt ihr unseren Lesern ein wenig was über eure Bandgeschichte verraten? Ein wenig die Band vorstellen?  Wann habt ihr angefangen? Wie seid ihr zum Metal gekommen?

IRON INCUBUS: HELLISH CROSSFIRE wurde 2002 von Iron Tyrant (der damals noch Schlagzeug spielte), Sick (Bass), unserem damaligen Sänger The Bone und mir (Gitarre) gegründet. Wir nahmen nach mehreren Besetzungswechseln 2004 unser erstes Rehearsal-Tape namens „Unholy Tyranny" auf. Mittlerweile hatte sich unsere heutige Besetzung stabilisiert, wir hatten schon einige Konzerte in dem Line-up gespielt und die Zeit war reif, ein erstes Lebenszeichen von sich zu geben. Dennoch war das Tape lediglich in einer minimalen Auflage für Freunde der Band gedacht, also nix, wofür wir Geld verlangten. Wäre auch nicht gerechtfertigt gewesen, zumal sich unsere „Aufnahmetechnik" darauf belief, dass wir einen uralten Kassettenrekorder in die Mitte des Proberaums platzierten, auf „Record" drückten und drauflosprügelten. Sollte halt `ne richtige Rehearsal-Aufnahme sein... Darauf enthalten waren die Stücke `Desecrate / Glorify The Sin`, `...Of Slaying Grounds`, `Death Worship` und `Hellish Crossfire`. Der letzte Song war auch zugleich der allererste, den wir jemals für HELLISH CROSSFIRE schrieben, und dies auch gleich bei der zweiten gemeinsamen Probe überhaupt. Zuvor hatten wir diverse Covers von Sodom, Mayhem und Kreator gezockt, nix Weltbewegendes, nur, um eben ein Gefühl für das Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarre zu bekommen. Nach der Veröffentlichung von „Unholy Tyranny" kamen wir mit Steelfire Invasion Records aus Holland in Kontakt und die wollten eine MLP von uns auf Vinyl (natürlich!) herausbringen. Wir hatten mittlerweile genügend Songs am Start, also enterten wir das Rape Of Harmonies Studio, um die Sachen aufzunehmen. Als wir dann fertig waren, ging Steelfire Invasion leider den Bach runter. Da wir jetzt ohne Plattenfirma dastanden und wir irgendwie nicht wussten, wie`s denn jetzt weitergehen sollte, fiel mir mein langjähriger Kumpel Peter von I Hate Records wieder ein, mit dem ich schon lange zuvor Tapes und dergleichen getauscht hatte (er spielt ja auch noch bei Terrorama) und der uns schon mal gefragt hatte, ob wir nicht mal was über sein Label rausbringen möchten. Damals war aber noch die Zusammenarbeit mit Steelfire Invasion aktuell, weshalb ich ihm leider einen Korb geben musste. Naja, und dann fragte ich halt noch mal höflich bei ihm an, ob er unsere bereits aufgenommene Musik veröffentlichen möchte. Peter war immer noch sehr enthusiastisch was HELLISH CROSSFIRE anbelangte, deshalb sagte er zu, meinte aber, dass wir die 30 Minuten, die wir im Rape Of Harmonies aufgenommen hatten, in Form eines Longplayers herausbringen sollten. Damit waren wir aber nicht so recht einverstanden, weil wir dachten, dass `ne knappe halbe Stunde für ein volles Album etwas zu wenig sei. Also mussten wir erneut dasselbe Studio frequentieren und zwei weitere Stücke (`Eternal Tyranny` und `Claw Of The Reaper`) aufnehmen. Bereits bis die beiden Tracks im Kasten waren, dauerte es `ne ganze Weile, dann kamen noch Probleme mit dem Layout etc. hinzu, so dass die LP verspätet im Herbst 2006 nun endlich herauskam. Die 500 Exemplare des Vinyls verkauften sich recht schnell, im Sommer 2007 brachten I Hate dann die CD-Version der Scheibe raus (allerdings mit anderem Cover und Layout - die Songs sind aber gleich geblieben), zudem erklärte sich noch ein langjähriger chilenischer Kollege bereit, bei seinem Label Proselytism Records die Tape-Version von „Slaves Of The Burning Pentagram" zu veröffentlichen. Dieser brachte wenig später auch noch die Songs unseres Rehearsaltapes "Unholy Tyranny" sowie bis bis dato unveröffentlichten Proberaumtracks zusammen mit zehn Songs der paraguayischen Thrasher von Violent Attack unters Volk. Das war in erster Linie eher ein Tribut an die südamerikanische Szene, kein offizieller Release. Im April 2009 gingen wir erneut ins Rape Of Harmonies Studio, um unser aktuelles Album "Bloodrust Scythe" aufzunehmen. Heraus kamen acht Songs im typischen HELLISH CROSSFIRE-Stil: Wild, ungezähmt, düster und hammeraggressiv. Und somit wären wir in der Gegenwart angelangt...

Natürlich zockten wir auch im Laufe der Zeit so einige ausgewählte Konzerte, wir standen unter anderem bereits mit Bands wie Pagan Altar, Heathen, Melechesh, Sadus, Grave, Bulldozer, Minotaur, Desaster, Lord Belial, Vomitory, Metal Inquisitor, Impaled Nazarene, Sacred Steel, Devil Lee Rot, Denial Of God, Axis Of Advance, Taake, Enthroned, Nocturnal, Devastation, Secrets Of The Moon, Old, Terrorama, Fatal Embrace, Demonical, Primordial, Prosatanos, Zarathustra, Repent, Warning, Morbid Insulter, Blizzard, Eternity, Corpus Christi, Atanatos, Enforcer, Heretic, Witchmaster, Dew-Scented, Paria, Trimonium, The Lamp Of Thoth, Portrait, The Devils Blood, Skyforger, Thornium, Dark Storm etc. auf der Bühne.

Gegründet wurden HELLISH CROSSFIRE, um räudigen, dreckigen und straighten Speed / Thrash zu zelebrieren, der ganz unserer persönlichen Vorstellung von dieser Musik entspricht. Sicherlich offerieren wir keinen puren Speed Metal, aber ich finde, das Wort „Speed" steht symptomatisch für unsere Musiziergeschwindigkeit... Es trafen sich also anno 2002 einige gute Kumpels in `nem Proberaum, die davon träumten, vielleicht irgendwann mal ein Demo aufzunehmen oder live aufzutreten. Dass wir`s bis zu zwei ganzen Alben schaffen würden und dass diese dann sogar noch anderen Leuten so sehr gefallen, damit hätten wir wirklich niemals gerechnet!!!

Genau weiß ich auch nicht, was mich zu meiner großen Leidenschaft/meinem Lebensinhalt Heavy Metal führte... - Von Kindesbeinen an fühlte ich mich - neben der Klassik - von "normalen" Rockbands wie z.B. den Beatles, Queen, Pink Floyd und dergleichen angezogen. Mit Gruppen wie z.B. AC/DC oder Motörhead wurde ich dann eher beiläufig konfrontiert, wuchs quasi in diese Richtung hinein, und es dauerte eine Weile, bis ich mich dann konsequenterweise auf den Weg begab, der fortan mein zukünftiges Leben bestimmten würde... Mein "Schlüsselerlebnis" jedoch war der Kauf meiner allerersten Metal-Platte - das glorreiche Debut der Götter Black Sabbath. Schon nach dem berühmt-berüchtigten Regen/Kirchturmglocken/Gewitter-Intro, beim Einsatz des mächtigen Anfangsriffs, keimte in mir die Gewissheit auf, fortan mein Leben dieser Art von Musik zu widmen. Danach war die Welt nicht mehr so wie sie mir noch kurz zuvor erschien: Ich kam mit der Musik von Legenden wie Iron Maiden, den alten Manowar, Saxon und Judas Priest in Kontakt, und jene großartigen alten Meister im Hinterkopf tastete ich mich so langsam vor, was da dieses immens breite Spektrum des Heavy Metals noch zu bieten hatte: Von den eher traditionellen Acts kam ich zu Thrash à la Slayer, Metallica bis zur ersten Black-Metal-Scheibe, von der ich bis auf den heutigen Tag noch Gänsehaut bekomme - `Black Metal` von den unvergleichlichen Venom... Dann erreichte ich schließlich den traditionellen Death Metal im Sinne von Death, Morbid Angel, Autopsy, Entombed, Dismember, Massacre etc. (damals grassierte gerade die Anfang-90er-Trendwelle). Und dann fing die ganze Geschichte mit dem Black Metal an - anfangs konnte ich dieser Bewegung noch einiges abgewinnen, präsentierten sich Acts wie Mayhem, Darkthrone, Morbid, Immortal und dergleichen doch genau dem Geiste jener Bands verschrieben, durch die ich zu dieser Art Musik gekommen bin - auf die weitere Entwicklung bis zur heutigen, eher dürftigen Situation will ich hier nicht näher eingehen... Bis auf den heutigen Tag habe ich mir eine geschmackliche Stilvielfalt bewahrt, so stehen bei mir Militia neben Sarcófago im Plattenschrank, Größen wie Morbid Angel neben Undergroundheroes wie Tormentor usw... - Ich bin demnach also keineswegs engstirnig, hehe, solange es sich um guten Heavy Metal handelt, sind mir Schubladen egal...!


2. Ich habe ja selbst geschrieben, dass der Gesang duchaus ein wenig an Tom Warrior erinnert? Wie seht ihr das selbst? Ist das so eine Art Eigentribut an eine der Bands, die ihr mögt?

IRON INCUBUS: Sicherlich finden sich so manche Parts in unseren Songs, die an Hellhammer / Celtic Frost erinnern. Dass wir uns aber wie eine Kopie dieser Legende anhören, wage ich jetzt mal zu bestreiten. Zeitgleich zu diesem Interview habe ich einen Fragenkatalog erhalten, wo uns deutliche Possessed-Einflüsse attestiert wurden. Nun, beide Bands zählen definitiv zu unseren Haupteinflüssen, genauso wie auch beispielsweise Violent Force, Deathrow, die alten Slayer, Sodom, Destruction, Dark Angel, Morbid Saint, Slaughter, Whiplash, Mutilator, Tormentor, Treblinka, Sarcófago, Kreator, Darkness, Poison usw. Aber letzten Endes kopieren wir nie eine Band völlig. Wir verbraten zwar diverse Einflüsse, letzten Endes kommt da aber immer HELLISH CROSSFIRE bei raus.

Natürlich waren Hellhammer / Celtic Frost eine großartige Band und ja, HELLISH CROSSFIRE sind ein Tribut an Legenden aus der Zeit des frühen, obskuren, düsteren Metals. Aber trotzdem versuchen wir, eine eigene Linie beizubehalten und nicht zu sehr darauf zu schielen, was andere Gruppen schon vor uns gemacht haben.

Sei es wie es ist: Hellhammer / Celtic Frost waren Pioniere einer extremen, düsteren Musizierform, erfanden sich mit jedem Album neu. Das gipfelte in dem Avantgarde-Paradestück „Into The Pandemonium" und uferte danach leider zu sehr in Belanglosigkeit aus… Erst „Monotheist", das letzte Frost-Album, war wider Erwarten und trotz der modernen Produktion ein kauziger, düster-doomiger Brecher, der für viele Entgleisungen der Vergangenheit entschädigte. Trotzdem stehe ich persönlich eher auf die alten Hellhammer-Sachen sowie „Morbid Tales", „To Mega Therion" und „Emperor`s Return" von Celtic Frost. Auch Tryptikon, die neue Band von Tom G. Warrior, hat überraschender Weise viel mit dessen ehemaligem Hauptbetätigungsfeld zu tun, was ich sehr begrüße…!


3. Wie bewertet ihr heute den Underground und die Szene? Was geht euch in der Szene so richtig auf den Sack und womit könnt ihr konform gehen?

IRON INCUBUS: Generell mag ich persönlich sehr gerne Musik, die mit Herzblut gemacht ist. Musik mit Seele, mit Esprit. Da passen die heutigen Zeiten, in denen (auch natürlich in der sogenannten Metalszene!) künstliche Hypes veranstaltet werden, mir überhaupt nicht in den Kram. Leute werden verarscht, damit man ihnen die letzten paar Kröten aus der Tasche zieht... Ich hasse zudem Oberflächlichkeiten: Selbst in der sogenannten Diehard-Szene scheint es manchen Leuten am ehesten darum zu gehen, ach so seltene Platten daheim stehen zu haben, möglichst kultige, zerschlissene Shirts alter Bands zur Schau zu tragen, obwohl die Besitzer dieser Leibchen damals, als die Dinger gedruckt wurden, wohl noch in die Windeln geschissen haben...es wird nicht mehr nach der Musik gekuckt, sondern nur noch nach Äußerlichkeiten beurteilt: Wer hat das "kultigste" 80er-Outfit, wer hat seltene Aufnäher auf seiner Kutte, wer hat dies, wer hat jenes...? Mir persönlich ist es einfach wichtig, eine gute Zeit zu haben und gute Musik zu hören: Das kann ich mit Leuten, die sowohl einen bestimmten "Dresscode" einhalten als auch jenen, die das überhaupt nicht für nötig befinden.

Hm, was missfällt mir sonst noch an der Szene? Linke wie rechte Extremisten gehen mir sehr auf den Sack: HELLISH CROSSFIRE sind und waren schon immer eine unpolitische Band, ja, der ganze Metal ist an sich schon eine unpolitische Sache! Wenn ich mich mit Politik beschäftigen möchte, lese ich eine kompetente Tageszeitung (oder am Besten gleich mehrere), auf einem Metalkonzert hat das nix zu suchen! Ich habe meine persönliche Einstellung zum Leben, zur Politik, die brauche ich nicht mit meiner Musik zu vermitteln... Gut, auch ich hör mir gerne mal Exploited, The Clash, The Damned, Ton Steine Scherben oder die Sex Pistols an, das Genre Punk impliziert ja zugleich auch eine gewisse politische Einstellung...

Womit ich konform gehen kann, ist, wie ich oben bereits erwähnte, Musik, bei der man merkt, dass sie Seele hat und mit Herzblut gemacht ist. Wenn jemand auf die neueste Studiotechnik zurückgreifen will und dann trotzdem etwas hinbekommt, das Charakter hat, warum nicht? Allerdings bevorzuge ich meistens eher diejenigen Sachen, die in dieser Hinsicht weniger auf den Putz hauen und einen sehr puristischen, geradlinigen Charme versprühen. Auch heute gibt es noch viele Bands, aber auch Fanzines, Festivals etc., die es wert sind, unterstützt zu werden! Die ganze, ich nenne es mal „Oldschool-Explosion" hat zwar Unmengen an Nachahmer produziert, aber letzten Endes darf man diejenigen Helden des Undergrounds nicht vergessen, die immer noch Arbeit abliefern, die dem alten Geist verpflichtet ist. Was im Vergleich zu ganz früher vielleicht auch noch besser wurde, ist die Tatsache, dass viele Fans heute nicht mehr so engstirnig sind was den Musikgeschmack betrifft: Damals in den 80ern gab es scheinbar ja regelrechte Kleinkriege zwischen Glam Rockern und Thrash Metallern beispielsweise. In den 90ern dann waren die Leute wieder zu extrem offen, heute scheint sich das alles auf ein einigermaßen normales Maß eingependelt zu haben. Zumindest eingeschworene Underground-Fanatiker schauen wieder mehr auf Qualität als auf den jeweiligen Stil, der da gerade zelebriert wird…Gute Musik ist und bleibt gute Musik, egal wie das Genre heißt!


4. Eure Musik. Wie geht ihr an eure Songs ran? Wie schreibt ihr die, was beeinflusst euch? Was beeinflusst eure Texte? Wie bereitet ihr euch auf eure Musik vor?

IRON INCUBUS: Zunächst einmal denke ich mir bestimmte Riffs, Songabläufe etc. daheim auf meiner Gitarre aus. Im Proberaum kommt dann zunächst das Schlagzeug hinzu, die einzelnen Elemente des Stückes werden vertauscht, ersetzt, wieder verworfen, neu strukturiert usw. Wenn uns ein Song dann soweit taugt, wird er auch live auf Konzerten gespielt. Wenn er dann noch über Wochen, Monate, vielleicht gar mal Jahre hinweg immer noch zündet wie am ersten Tag, nehmen wir ihn auf. Man sieht also, dass wir in der Hinsicht durchaus sehr wählerisch sind. Erst wenn sich ein Song in der Livesituation bewährt, wird er im Studio für die Ewigkeit festgehalten. Ausnahmen, die die Regel bestätigen, sind `Into The Old And Evil` und `Orgasmic Rush` von unserer neuen Scheibe „Bloodrust Scythe", die wir erst im Studio aufnahmen, bevor wir sie bei Konzerten zum Besten gaben. Diese Stücke hatten sich allerdings lange Zeit zuvor bereits im Proberaum bewährt und mussten daher einfach mit auf die Platte!

Unsere grundlegende Herangehensweise ans Songwriting ist eine sehr spontane: Ich zocke beispielsweise einfach Riffs, die mir grad in den Sinn kommen, unser Schlagzeuger Evil Possessor spielt dazu etwas, das nach seinem Gefühl dazupassen könnte und unser Sänger Iron Tyrant und unser Bassist Sick sagen, welche Parts ihrer Meinung nach anders klingen müssten usw. Wir haben keine „Schablone" bzw. keinen bestimmten Plan, was das Songwriting anbelangt. Wenn ich beispielsweise ein Doomriff als Idee präsentiere und das dem Rest der Band zusagt, wird das halt auch mal in einem ansonsten reinen Thrash-Song integriert, und letzten Endes kommt bei derartigen unterschiedlichen Elementen immer HELLISH CROSSFIRE pur raus. Erst neulich hab ich ein Stück geschrieben, das sehr an alte Morbid Angel erinnert. Keine Ahnung, ob wir den Song mal zusammen arrangieren werden und ob daraus irgendwann ein typischer HELLISH CROSSFIRE-Track wird. Schon in diesem frühen Stadium allerdings weist das Stück für uns / für meine Art Gitarre zu spielen typische Merkmale auf… Also: Wir haben beim Songwriting keine inspirativen Grenzen, setzen alles so zusammen, wie es nach unserem Gutdünken am Besten klingt: Dafür gibt es kein Patentrezept, man muss sich schlichtweg von den eigenen Gefühlen leiten lassen…! Wir müssen in keiner besonderen Stimmung sein, um dergleichen Musik zu schreiben. Wenn ich persönlich daheim vor mich hinjamme, mache ich mir ein Bier auf, werfe vielleicht auch mal einen Snus ein, zünde mir ein paar Räucherstäbchen an und lasse die Lavalampe glühen - dass dabei (zumindest meistens) dann kein verschwurbeltes Psychedelic-Zeugs rauskommt, sondern knochentrockener Thrash, liegt wohl in meiner persönlichen Natur begründet, haha! Im Proberaum haben wir auch außer den gewöhnlichen Bandpostern und nackten Titten nix Besonderes, das unsere Kreativität anheizen könnte…

Ich versuche viel auf meinem Instrument zu üben. Momentan klappt das nicht so recht, da mal wieder ein Umzug ansteht und ich auch noch so einige Interviews beantworten muss. Ich spiele viele eigene, aber auch Songs von fremden Künstlern von Klassik bis derbstem Death Metal. Technikübungen kommen bei mir allerdings, ich gebe das unumwunden zu, etwas zu kurz…naja, was nicht ist, kann ja noch werden. Neue Herausforderungen sind immer willkommen - ohne die wäre das Leben ja langweilig!

Größtenteils verfasst unser Sänger die Texte. In der Vergangenheit hab ich zwar auch ein / zwei Lyrics beigesteuert, mittlerweile ist das aber auf Iron Tyrant übergegangen. Einen großen Beitrag zu den Texten liefert auch unser "fünftes Bandmitglied" Mellhammer, der uns in dieser Hinsicht auch sehr unterstützt.

Wir drucken unsere Lyrics aus gutem Grund nicht in den Booklets unserer Veröffentlichunen ab: Sie sind nämlich in erster Linie dazu da, um die Musik perfekt zu umranden. Eine richtige Aussage wohnt ihnen nicht inne. Zu aggressiver Mucke gehören dunkle, aggressive Texte! Wer sich in philosophischer oder literarischer Hinsicht weiter bilden will, sollte zu entsprechend einschlägigen Publikationen greifen und kein Metalalbum kaufen! Gut, in ihrer Gänze haben unsere Texte dennoch eine Aussage: Sie stellen nämlich insgesamt dar, um was es bei richtigen Metallyrics gehen sollte und was wir auch in unserer Musik widerspiegeln.

Meine Ausführungen implizieren natürlich nicht, dass zugleich nicht doch auch eine persönliche Note in den Texten vorkommen kann...

5.Was könnt ihr uns über euer aktuelles Album so erzählen? Wie sind die Reaktionen bislang?

IRON INCUBUS: Großartige Unterschiede sind zwischen unserem aktuellen Album "Bloodrust Scythe" und dem Debüt "Slaves Of The Burning Pentagram" eigentlich keine auszumachen. Unserer musikalischen Grundausrichtung sind wir auf jedenfalls treu geblieben. Ich glaube, dass wir bereits bei unserem Debüt eine eigene Linie etabliert hatten, der wir auch auf dem Zweitwerk frönen. Allzu sehr unterscheiden sich beide Scheiben also nicht. Der Sound ist bei "Bloodrust Scythe" im Vergleich zu unserem Debüt wohl etwas roher ausgefallen, zumindest hatten wir das so im Vornherein beabsichtigt. Wir wollten eine dreckigere Produktion, der es trotzdem nicht an Kraft und Energie fehlt. Ich denke, unser Produzent hat diesen Drahtseilakt sehr gut hinbekommen...

Ansonsten haben wir schon so einige Rückmeldungen hinsichtlich unseres zweiten Albums erhalten, die besagten, dass darauf wohl ein paar mehr traditionelle Heavy-Parts als im Vergleich zum Debüt enthalten sind. Das ist aber teils unbewusst passiert, da viele Songs einfach auf derlei Ideen / Riffs basieren, teils haben wir da noch `ne gehörige Prise traditionellen Metals im Studio hinzugefügt, wie ich meine. Das war aber nie im Voraus geplant gewesen, wir spielten spontan drauf los und wenn ein Songpart halt nach einem Heavy- oder gar einem 70er-Solo verlangte, war das halt so. Im Endeffekt kommt immer HELLISH CROSSFIRE bei raus, hehe...

Manche Leute haben uns auf "Bloodrust Scythe" auch vermehrt Einflüsse alten Death Metals attestiert, das ich einerseits zwar unterschreiben kann, da wir natürlich auch sehr von Legenden wie alten Death / Mantas, Pestilence, Messiah und vor allen Dingen Possessed beeinflusst sind, aber grundlegend gesagt zocken wir nach wie vor derben, düsteren Thrash Metal. Das ist wohl auch der kleinste gemeinsame Nenner unserer Musik.

Die bisherigen Reaktionen auf „Bloodrust Scythe" sind, ich möchte fast sagen, nahezu sensationell: Mit Ausnahme von ein paar eher durchwachsenen Rezensionen haben wir eigentlich durch die Bank gute bis sehr gute Kritiken erhalten. Interviews für größere Magazine wie „Terrorizer", „Rock Hard" und „Legacy" haben bereits stattgefunden bzw. bahnen sich gerade an, im schwedischen „Close-Up" haben wir den Soundcheck zum wiederholten Male gewonnen, im „Legacy" den zweiten und im „Rock Hard" den zehnten Platz in den jeweiligen Soundchecks erreicht - und das alles ohne großes Label im Rücken! Wir hätten nie erwartet, dass unsere kompromisslose, unkommerzielle Musik selbst in einem größeren Rahmen Anhänger findet. Natürlich sind uns auch die Meinungen eingeschworener Undergroundmaniacs sehr wichtig. Fanzines wie das „Voices From The Darkside", das „Call Of The Infernal Hordes" aus Costa Rica oder der Macher hinter dem polnischen „Necroscope"-Fanzine haben sich bereits äußerst positiv geäußert. Die positive Rückmeldung von Leuten, die sich mit der Materie auskennen, ob die jetzt dem Underground oder etablierten Institutionen entstammen, ehrt uns natürlich. Aber auch ohne derlei Bestätigungen unserer Mühen würden wir dieselbe Musik machen, auf dieselbe Art und Weise! In erster Linie ist HELLISH CROSSFIRE nämlich für uns da und nicht für die Kritiker. Wenn`s jemandem gefällt, was wir machen, fühlen wir uns geehrt. Aber auch wenn dem nicht so sein sollte, würden wir trotzdem unbeirrt unseren Weg gehen… Im Zuge der Promotion von „Bloodrust Scythe" trudelte übrigens das erste durchweg negative Review ein. Wenn Kritik wenigstens einigermaßen fundiert ist, ist das durchaus legitim, aber bei der betreffenden Rezension merkte man, dass der Schreiberling dem Sound, den wir uns verschrieben haben, grundsätzlich nichts abgewinnen kann. Wieso sollte er dann also ein Album, das vor traditionellen Klischees nur so strotzt, positiv bewerten? Jedem seine eigene Meinung, damit können wir auf jeden Fall leben… Wie unser Schlagzeuger Evil Possessor sinngemäß treffend ausdrückte: „An derlei extreme Rezensionen wird man sich immer erinnern..." Wenn es keine Schreiberlinge mehr gäbe, die auch mal heftig vom Leder ziehen, wenn ihnen etwas rein gar nicht gefällt, wäre der Blätterwald doch wiederum auch sehr langweilig…!

Im Vergleich zu den Reaktionen hinsichtlich unseres Debüts „Slaves Of The Burning Pentagram" tut sich natürlich viel mehr. Einerseits liegt das daran, dass HELLISH CROSSFIRE keine völlig unbekannte Band mehr ist, andererseits überzeugte der Erfolg unseres ersten Albums unser Label I Hate Records, hinsichtlich Promotion mehr Möglichkeiten auszuschöpfen.


6. Was bedeutet für euch Heavy Metal?

IRON INCUBUS: Heavy Metal bedeutet für mich persönlich mehr als „nur" Musik, sondern steht auch für einen gewissen Lebensstil. Andererseits sehe ich das Ganze nicht als Religion an, bin kein extrem konservativer Mensch. Soll heißen, dass ich nicht alles, was mit Heavy Metal zusammenhängt, vorurteilsfrei in den Himmel lobe oder dass mir andere Menschen sagen müssen, was ich zu tun und zu lassen habe, um „richtig Metal" zu sein oder so. Ich weiß das schon sehr gut selber! Heavy Metal bedeutet für mich auch bis zu einem gewissen Grad absolute Freiheit, das zu tun, worauf ich Bock habe und mir da von nichts und niemandem reinreden zu lassen! Heavy Metal sollte nicht politisch sein. Textlich ist ansonsten alles „erlaubt", auch Extreme können ausgelotet werden. Musikalisch allerdings hört für mich Heavy Metal dann auf, wenn er nicht mehr der „reinen Lehre" entspricht, sprich, wenn er zu extrem mit anderen Stilrichtungen vermischt wird, so dass da eine undifferenzierte Mischung, der eine rote Linie fehlt, bei rauskommt. Die wirklichen Großtaten des Heavy Metals wurden, zeitlich betrachtet, natürlich in den 70er und den 80er Jahren erschaffen. Jede Band, die später Musik macht(e) muss sich an Meisterwerken wie „Heavy Metal Maniac", „Frost And Fire", „Black Sabbath", „Skeptics Apocalypse", „Hell Awaits", „Darkness Descends", "In Rock", „Pleasure To Kill", „Scream Bloody Gore", „Under The Sign Of The Black Mark", „Black Metal", "British Steel", „Restless And Wild" undundund messen. Wenn heutige Bands die alten Vorlagen lediglich 1:1 abkupfern oder qualitativ mit den alten Klassikern nicht mithalten können, interessiert mich das nicht! Wieso sollte ich mich um eine schlechte Kopie kümmern, wenn das Original viel geiler und vor allen Dingen authentischer ist?

Doch zurück zu Deiner Frage: Natürlich höre ich nicht den lieben langen Tag Heavy Metal bzw. stolziere mit Kutte und in Spandexhosen rum. - Letzteres Kleidungsstück trage ich beispielsweise überhaupt nicht. Wenn man selbstbestimmt und unabhängig leben möchte, muss man zwangsläufig Kompromisse eingehen: Irgendwo muss das Geld herkommen, das man für Equipment und Tonträger wieder ausgibt. Dafür muss man (leider) Kompromisse eingehen. Es ist uns wichtiger, musikalisch völlig freie Hand zu haben anstatt uns unter die Fuchtel eines großen Labels zu begeben, von dessen Tantiemen wir vielleicht zwar mehr oder weniger unseren Lebensunterhalt bestreiten könnten, aber im Gegenzug musikalische Zugeständnisse machen müssten. Unsere Musik und der Geist des Heavy Metals sind zu wichtig als dass wir uns, um von unserer „Arbeit" als Band leben zu können, zu prostituieren! Never sell out!!! Der Spaß am Musik machen ist uns ebenso sehr wichtig, was aber nicht heißt, dass HELLISH CROSSFIRE eine reine Funcombo ist: Wir nehmen das was wir machen sehr ernst, wenden alle unsere Energie dafür auf, um unsterbliche Musik zu erschaffen, so dass der Geist des Heavy Metals auch anno 2010 noch am Leben erhalten bleibt! Ich muss zugeben, dass sich das jetzt etwas sehr pathetisch anhört, aber wenn es keine Bands mehr gibt, die den Spirit dieses Sounds hochhalten, bleiben irgendwann nur noch seelenlose Plastikgruppen übrig, von kurzlebigen Trends erschaffene Formationen, die von großen Plattenfirmen auf einen bestimmten Markt hin zurechtgeschneidert werden…


7. Wie schaut es mit dem Underground in Franken aus? Habt ihr viele Auftritte? Beschränken die sich auf den südlichen Bereich Deutschlands, oder spielt ihr auch in anderen gefilden?

IRON INCUBUS: Es stimmt, dass wir viele Konzerte in Süddeutschland spielen. Südlicher als nach Ingolstadt kamen wir in Bayern allerdings nicht, hehe! Dafür tut sich einiges im Schwabenländle / Baden-Württemberg. Trotzdem haben wir schon oft in Sachsen und Thüringen gezockt, auch in Hessen oder im Ruhrpott (Oberhausen) waren wir desöfteren unterwegs. An „Auslandseinsätzen" können wir bis dato auf Gigs in Portugal, Schweden, Frankreich und Österreich zurückblicken. So richtig in Norddeutschland zu zocken wäre auch mal was ganz Feines, allerdings haben wir von dort komischerweise noch nie so richtig gute Angebote erhalten. Wenn man erfährt, dass selbst portugiesische Maniacs für sämtliche Anreisekosten aufkommen können, mutet es etwas befremdlich an, wenn Leute aus Städten, die von unserer Heimat locker um die 300 bis 400 km entfernt sind, uns mit 50 Euro Spritgeld abspeisen wollen - diese Summe geht schon für unsere Alk-Verpflegung für die Hinfahrt drauf, haha! Wir sind bereit, immer und überall zu spielen - für nicht mehr als die Erstattung der Anfahrtskosten. Gut wäre natürlich auch noch, wenn Pennplätze zur Verfügung stünden und wir biertechnisch gut versorgt wären. Wenn diesen grundlegenden Anforderungen entsprochen wird, spielen wir gerne überall!

Natürlich sind wir auch schon sehr oft in unserer Heimatstadt Nürnberg aufgetreten, zuletzt im Rahmen unserer Releaseparty am 19.02. dieses Jahres, wo die Bude (Kunstverein) gerammelt voll war und eine herrliche Thrashparty gefeiert wurde!

Die Nürnberger Szene ist klein, aber fein: Im Vergleich zu anderen Städten gibt`s verhältnismäßig viele sehr gute Bands. Im Club „Hirsch" machen viele größere Tourneen Halt, die Undergroundszene hat mit dem oben erwähnten „Kunstverein" sowie dem „Roten Salon" kleine, aber kultige Lokalitäten, wo sich schon Größen wie Absu, Reverend Bizarre, Watain, Wino Weinrich, Zemial usw. haben blicken lassen. Ich wohne nicht direkt in Nürnberg, eher in Richtung Regensburg, wo vergleichsweise zur Frankenmetropole überhaupt nix geht. Und wenn ich mir anschaue, dass eine „Weltstadt" wie München in Sachen Metal-Underground mausetot ist, haben wir´s hier oben in Franken eigentlich ganz gut, denke ich…

Generell gesagt machen wir uns live gesehen etwas rarer als andere Bands. Wir müssen nicht zweimal die Woche auf irgendeiner Bühne stehen, nur um vor einer Handvoll lustloser Leute zu zocken! HELLISH CROSSFIRE-Konzerte sind intensive Erfahrungen, die uns alles abverlangen: Nach einem Gig sind wir fix und fertig, in der Regel sind wir aber alle dann auch sehr glücklich. Wir wollen nicht zu oft in ein und derselben Gegend spielen, weil sich auf diese Weise schnell eine Art Abnutzungseffekt einstellen kann. Wir ziehen es vor, weniger, dafür umso intensivere, aggressivere und authentischere Auftritte aufs Parkett zu legen. Trotzdem sind wir natürlich immer gerne bereit, in allen Ecken und Enden Deutschlands und dieser Welt zu spielen!


8. Ihr seid ja nicht die einzige band aus euren Breitengraden? Gibt es irgendwelche Bands aus eurer Ecke, die ihr empfehlen könnt?

IRON INCUBUS: Auf Anhieb fallen mir in Nürnberg und Umland Excoriate, Earth Flight, Versus The Stillborn-Minded, Deathronation und Repent ein.

Die erstgenannten sind schon seit einiger Zeit auf Eis gelegt, dort spielt unser Schlagzeuger Evil Possessor Gitarre. Allerdings soll es ein / zwei letzte Festivalauftritte im Laufe dieses Jahres noch geben. Spielen tun die Jungs düsteren, rohen Death Metal à la alte Asphyx, Pestilence und Autopsy. Hört mal in ihr erstes und einziges Album „On Pestilent Winds…" rein, das ist definitiv eines der besten Werke des Todesblei-Undergrounds der letzten Jahre!

Earth Flight begannen eher als doomige 70er-Rock-Band, mittlerweile hat man die Doom-Elemente etwas zurückgeschraubt und verwurstet auch mal psychedelische bzw. krautrockige Elemente.

Versus The Stillborn-Minded spielen schön intensiven, langsamen Sludge-Doom, Deathronation zocken traditionellen Death Metal und Repent haben in der Vergangenheit schon für so manche herrliche Bay-Area-Thrash-beeinflusste Veröffentlichung gesorgt. Die Band ist nach einer mehr oder weniger selbst verordneten Zwangspause mittlerweile mit einem neuen Sänger am Start.


9. Gibt es noch Dinge, die ihr mitteilen wollt?

IRON INCUBUS: Vielen Dank für dieses Interview! Ich hoffe, ich konnte Dir und den Lesern dieses Zines einen kleinen Einblick in unsere Bandgeschichte und dem, was wir sonst noch so treiben, geben…ich hoffe, man sieht sich mal bei einem Konzert! Ansonsten hört mal in unser aktuelles Album „Bloodrust Scythe" rein, wenn ihr auf urwüchsigen, rabiaten und rohen Metal steht!


Hellish Hails!!!

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Dieser Artikel stammt von der Webseite PlanetHeavyMetal
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