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Operation Dauerhafter Metal
Datum: Sonntag 21 Oktober 2001 09:19:54
Thema: Fun Stuff


In Zeiten wie diesen ist es nicht einfach, den Präsidenten der Vereinigten Staaten lieb zu haben. Doch wenn es tatsächlich stimmt, dass George W. Bush ein Heavy-Metal-Freak ist, fällt das gleich viel leichter................


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Kilians Kolumne: "Operation Dauerhafter Metal"
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In Zeiten wie diesen ist es nicht einfach, den Präsidenten der Vereinigten Staaten lieb zu haben. Doch wenn es tatsächlich stimmt, dass George W. Bush ein Heavy-Metal-Freak ist, fällt das gleich viel leichter.

Von Martin Kilian


Amerika, schrieb der US-Philosoph George Santayana, sei "die größte aller Gelegenheiten und der schlechteste aller Einflüsse". Nun ja, der Mann hat leider recht! Das gesamte Wochenende ging wieder für Shopping drauf, um die abgefuckte Konjunktur zu stützen.
Meine Kreditkarten gehen überhaupt nicht mehr schlafen. Auch sind meine wie die Schulden meiner amerikanischen Freunde total astronomisch.

George W. Bush hätte uns schon längst den Orden "Helden des Konsums" anheften sollen ("für Extrem-Shopping zum Wohle Amerikas").
Wahrscheinlich ist mein entsprechendes Gesuch ("...2800 Dollar allein für dekorative rotweißblaue Glasperlen...") im ovalen Büro versickert. Zumal W. im Eiltempo zum Olympier mutiert. Er wird stetig größer. Historisch, meine ich. Und seine Wesire mitsamt den Groupies in den Medien schnappen langsam über.
Neulich leckte aus dem Weißen Haus, Bush persönlich kommandiere den Einsatz der Special Forces in Afghanistan.

Wirklich? Entwirft er außerdem ästhetisch ansprechendere Kuppeln als der italienische Baumeister Palladio? Bläst das Saxofon besser als der Jazzmusiker Ornette Coleman? Konstruiert eigenhändig den Raketenschutzschirm? Gimme a break! W. als General Patton? Der Mann drückte sich ja schon vor Vietnam, indem er in die texanische Nationalgarde eintrat.

Und weil wir gleich dabei sind: Bushs abendliche Pressekonferenz führte bei meinem Freund Bob zu schweren Schlafstörungen. Ich musste ihn beruhigen. Ein, zwei Jahre werde der Feldzug in Afghanistan vielleicht dauern, hatte W. gesagt.
Verdammt lange, wenn Sie bedenken, dass dort nach zwei Jahrzehnten Krieg nur noch 18 Gebäude stehen sowie zwei Brücken und eine Tankstelle. Zwei Jahre! Musharraf fiel sicherlich in Ohnmacht, als er das hörte.
In pakistanischen Straßen ist die Hölle los, derweil W. nebenan zwei Jahre Krieg führen will.

Doch meinen Aufkleber mit den Worten "Ich habe W. nicht so arg LIEB" habe ich gleich wieder von der Stoßstange meines Autos entfernt.
Wegen oben genannter Schulden kann ich mir kein neues Auto leisten. Mit Henry Wadsworth Longfellow "Sail On, O Union, Strong And Great" zu singen, ist dieser Tage bekömmlicher. Andernfalls stünde überdies der Schriftsteller Peter Schneider plötzlich vor meiner Tür.
Auf seinem Radar erscheinen sämtliche "antiamerikanischen Reflexe". Und er wäre vielleicht schrecklich böse. Weil ich Amerika zwar ganz, ganz arg LIEB habe, Bush aber nicht so arg LIEB habe.
Nur LIEB habe ich Bush. Aber nicht arg.

Ehrlich gestanden: Anthrax ist mir lieber als W. Bevor Sie an die Decke gehen: Ich meine nicht den Milzbrand, sondern die Rock-Combo. Heavy Metal, okay?
Die Band mit den kanzleramtsgroßen Verstärkern. Deren Namen nun völlig diskreditiert ist. Statt Hotelzimmer zu zertrümmern, gab Anthrax eine Presseerklärung heraus.
Man erwog eine Namensänderung ("Lactobazillus"). Ließ es dann fallen.
Hofft und betet, "dass dieses Problem verschwindet und wir alle alt und fett werden" - was sie bereits sind.

Aber nicht nur der Name ist eine einzige Katastrophe. Denken Sie an die Anthrax-Hit-LP von 1985: "Die Krankheit Verbreiten" ("Spread The Disease").
Meine Güte!
Außerdem hatten die Schwermetaller fürchterliche Frisuren. Dazu präsentierten sie Lärm von der Pegelstärke einer soeben abhebenden 747.
Jetzt könnten sie in Pharmazie machen. Bayer (Leverkusen) ließ anfragen, ob man - gegen Zaster natürlich - auf der Anthrax-Webseite Werbung für das Anti-Milzbrand-Medikament Ciprobay schalten könne.

"Nach den letzten Ereignissen symbolisiert unser Name Furcht, Paranoia und Tod", bekennt Anthrax. Aber auf Konzerttournee gehen sie trotzdem.
"Operation Dauerhafter Metal" wird die Tour heißen.
Moment mal!? "Operation Dauerhafter Metal"? Klingt fast wie "Operation Dauerhafte Freiheit".
Gibt es hier etwa eine klandestine Verbindung?
Ist es womöglich kein Zufall, dass das Finale der Anthrax-Tour am 17. Februar 2002 in Washington stattfinden wird?
Ist W. ein Heavy-Metal-Freak?
Übernachtete Metallica im Weißen Haus?
Deep Purple? Mott The Hoople? Hüsker Dü?

Stimmt es, dass zu W.s Amtseinführung - in privatem Kreise wohlgemerkt! - die Schwermetall-Symphonie für zwei Schweißbrenner und einen Vorschlaghammer von Led Zeppelin uraufgeführt wurde?
Steckt in "Stairway To Heaven" eine geheime Botschaft?
Wenn ja, an wen? An Wladimir? Jesus!!
Und der Briefträger eben sah aus wie Peter Schneider.
Wie schnell man doch ins Paranoide abgleitet....
Schluss für heute. Zittrige Zeiten sind das.


(Quelle:Spiegel-online)






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